01.11.2018 07:57

Vaclav Varada wurde einst mit dem HCD Spengler Cup-Sieger und Meister, nun kehrt er mit "seinem" Team ans Turnier zurück

 

Vor 12 Jahren spielte Vaclav Varada eine einzige Spengler Cup-Partie mit dem HC Davos. Nun kehrt der Tscheche als Trainer von Ocelari Trinec ans Traditionsturnier zurück.

Wer nur aufs Papier schaut, kommt schnell einmal zum Schluss: Die Saison 2006/2007 muss für den Tschechen Vaclav Varada eine ganz besondere gewesen sein. Nach mehr als einem Jahrzehnt in Nordamerika und 580 NHL-Spielen für die Buffalo Sabres und die Ottawa Senators war der zweifache Weltmeister (2000, 2005) nach Europa zurückgekehrt, wo er mit dem HC Davos auf Anhieb Spengler Cup-Sieger und Meister wurde. Der Wahnsinn! Oder etwa doch nicht? «Es war für mich eine harte Saison», widerspricht Varada. «Ich hatte mich am Knie verletzt und musste mich operieren lassen.» Tatsächlich hatte der Stürmer die zweite Saisonhälfte fast gänzlich verpasst und zum Titel kaum etwas beitragen können. Kaum erfreulicher war da auch der Spengler Cup, den er schon nach einem Spiel abbrechen musste, weil seine Mutter verstorben war. «Ich bin froh, dass Arno Del Curto für meine Situation Verständnis hatte und mich meiner Familie in der Heimat beistehen liess», erinnert er sich.

Nach einer weiteren Saison in der Schweiz, in Langnau, kehrte er schliesslich nach Tschechien zurück, wo er über Vitkovice den Weg zu Ocelari Trinec fand und 2011 Meister wurde. «Man kann das nicht mit den Weltmeisterschaften vergleichen», erklärt der heute 42-Jährige. «Es war eine lange und harte Saison mit vielen Auf und Abs, für die wir zum Schluss belohnt wurden – ein fantastisches Gefühl.» Ein Ereignis, das man nun in der Nachbetrachtung nicht nur als eines der grossen Karriere-Highlights, sondern auch als wegweisend einstufen kann, da es das Band zwischen dem Klub und seinem heutigen Trainer derart stärkte, dass es bis heute nicht gerissen ist. «Trinec, das auch nahe an meiner Heimatstadt Koprivnice liegt, ist für mich ein spezieller Ort geworden. Der Klub tut alles für seine Spieler, und diese geben es ihm in Form von harter Arbeit zurück», sagt Varada. Und: «Trinec ist mein Zuhause.»

Unter diesem Licht wirkt der fliegende Wechsel hinter die Bande innerhalb der Organisation denn auch nur logisch. Die Saison 2013/2014 hatte er noch als Spielertrainer begonnen, zur Jahreswende hängte er dann die Schlittschuhe zugunsten eines Vollzeit-Jobs als Assistenztrainer an den Nagel. Im Nachwuchs, wo er u.a. als Cheftrainer von Trinecs Junioren und der tschechischen U18-National-mannschaft wirkte, verdiente er sich seine Sporen ab, ehe er im Sommer 2017 als Trainer der ersten Mannschaft nominiert wurde. Seine Philosophie hat er dabei beibehalten: «Junge Spieler folgen dir wie einem Vater, Männer dagegen wie einem befreundeten Coach, wenn sie sehen, dass du Eishockey lebst und alles dafür tust, ihnen zu helfen, bessere Spieler zu werden», so Varada. Das passt: Trinec hat schliesslich eine starke Juniorenabteilung, deren U20-Team er 2016 höchstpersönlich zum Titel geführt hatte.

Auch bei den Profis hat Varada schnell reüssiert. Schon seit Jahren ein tschechisches Spitzenteam, hat er Ocelari Trinec in der Meisterschaft ins Finale und in der Champions Hockey League ins Halbfinale gebracht. Die daraus erwachsenen hohen Erwartungen konnte die Mannschaft heuer allerdings noch nicht erfüllen – ein paar verletzte Stammspieler und die daraus folgende Torflaute führten zu einem, gelinde gesagt, holprigen Saisonstart. Dementsprechend vorsichtig gibt sich Varada, trotz aller Vorfreude, hinsichtlich des Spengler Cup. «Wir spielen ein modernes Hockey, bei dem wir viel laufen», sagt er, um dann sofort den Gegnern Respekt zu zollen: «Mit Magnitogorsk und KalPa haben wir eine harte Gruppe erwischt. Wir werden unser Bestes geben, weiterzukommen und es den Gegnern so schwer als möglich zu machen.»