Der HCD kann Spengler Cup

15.10.2026, 10:00

Der HCD kann Spengler Cup

Warum konnte der HC Davos den Spengler Cup in den vergangenen drei Jahren zweimal gewinnen? Die naheliegende Antwort lautet: Heimvorteil. Doch sie greift zu kurz. Natürlich kennt kein anderes Team die Bedingungen in Davos so gut wie der Gastgeber. Die Mannschaft muss nicht reisen, kennt das Eis, die Halle und die Abläufe. Und sie kann sich auf die Unterstützung von den Rängen verlassen. Aber die beiden Titelgewinne 2023 und 2025 zeigen, dass beim HCD inzwischen weit mehr zusammenkommt.

Als der HC Davos am 31. Dezember 2023 nach zwölf Jahren Unterbruch den Spengler Cup zum 16. Mal gewann, kam dieser Erfolg nicht völlig überraschend. Die Davoser befanden sich auch in der nationalen Meisterschaft auf dem Weg zurück an die Spitze. Im Final setzte sich der HCD gegen das tschechische Topteam Dynamo Pardubice mit 5:3 durch. Zwei Jahre später folgte bereits der nächste Triumph – diesmal unter ganz anderen Voraussetzungen.

Der Spengler Cup ist kein gewöhnliches Eishockeyturnier. Innerhalb von sechs Tagen muss jede Mannschaft vier oder gar fünf Spiele bestreiten. Die Erholungszeiten sind kurz, die Gegner wechseln ständig und die Spielstile könnten unterschiedlicher kaum sein. Während insbesondere die US Collegiate Selects mit einem eigens zusammengestellten Kader antreten, kann der HCD auf einen eingespielten Mannschaftskern zurückgreifen, dessen Spieler sich aus der National League kennen.
Das ist bei einem derart dichten Spielplan ein Vorteil. Die Automatismen sind vorhanden, die Laufwege vertraut und die taktischen Abläufe eingespielt. Die Mannschaft muss sich nicht erst finden, sondern kann sich auf das Wesentliche konzentrieren: auf den jeweiligen Gegner und die Anforderungen des nächsten Spiels.
Wie wichtig diese Fähigkeit ist, zeigte sich 2025 eindrücklich. Der HCD verlor sein erstes Duell gegen die US Collegiate Selects mit 3:5. Das hohe Tempo und das schnelle Umschaltspiel der jungen Amerikaner stellten den Gastgeber vor grosse Probleme. Vier Tage später trafen die beiden Mannschaften im Final erneut aufeinander. Diesmal fand Davos die richtigen Antworten. Trotz dreimaligem Ausgleich durch die College-Auswahl bewahrte der HCD die Ruhe und setzte sich im Schlussdrittel mit 6:3 durch.

Genau darin liegt eine der grossen Stärken der Davoser: Sie können sich auf unterschiedliche Gegner einstellen. 2025 musste die Mannschaft innerhalb weniger Tage auf das schnelle College-Team, das physisch starke IFK Helsinki, Fribourg-Gottéron und schliesslich erneut auf die US-Auswahl reagieren. Das Turnier verlangte immer wieder neue Lösungen – und Davos fand sie.
Besonders bemerkenswert war der Halbfinal gegen Fribourg. Ein Jahr zuvor hatte Gottéron den HCD an gleicher Stelle aus dem Turnier geworfen. 2025 gelang Davos die Revanche mit einem 3:1. Dabei hielt der HCD die Freiburger Offensive im Schlussdrittel weitgehend unter Kontrolle. Es war der erste Sieg der Davoser gegen ein Schweizer Team am Spengler Cup seit der Umstellung auf das heutige Sechserformat.
Das spricht für eine Mannschaft, die gelernt hat, dieses Turnier zu lesen. Nicht jedes Spiel muss gleich gewonnen werden. Aber jedes Spiel verlangt eine andere Antwort.
Dazu kommt ein Faktor, der sich nicht trainieren lässt: Erfahrung. Der HCD weiss inzwischen, was es bedeutet, fünf Spiele in knapp fünf Tagen zu absolvieren. 2025 mussten die Davoser im Final nur gut zwölf Stunden nach dem Halbfinal wieder aufs Eis – und bestritten damit ihr fünftes Spiel innerhalb von nicht einmal fünf Tagen. Trotzdem wirkte die Mannschaft im entscheidenden Moment nicht müde.

Heimvorteil ist kein Nachteil

Ganz ohne Heimvorteil geht es natürlich nicht. Der HCD spielt dort, wo die anderen Teams nur wenige Tage verbringen. Die Davoser kennen die Arena, die Abläufe und die Umgebung. Sie wohnen zu Hause, schlafen im eigenen Bett und arbeiten in ihrer vertrauten Garderobe. Ihre Körper sind auf die Meereshöhe von 1560 Metern gewöhnt. Dies macht sicher den kleinen Nachteil wett, denn Davos als eine der beiden Mannschaften in Kauf nehmen muss, erst am 2. Spieltag in Turniergeschehen eingreifen zu können. Damit entfällt der garantierte spielfreie Tag. Im ungünstigsten Fall müssen die Davoser fünf Spiele in fünf Tagen bestreiten. Da kann die Unterstützung des Publikums in einem Turnier, in dem die Energie von Tag zu Tag wichtiger wird, den entscheidenden Unterschied machen. Im Final 2025 war Davos nach einem langen Turnier sichtbar am Limit. Doch die Atmosphäre im Stadion gab der Mannschaft zusätzliche Energie. Der Heimvorteil ist also real. Entscheidend ist aber, wie eine Mannschaft ihn nutzt.

Einen besonderen Anteil an dieser Entwicklung hat Josh Holden. Der Kanadier gewann den Spengler Cup bereits 2023 in seiner ersten Saison als HCD-Headcoach und führte Davos zwei Jahre später erneut zum Titel. 
Holden kennt inzwischen nicht nur seine Mannschaft, sondern auch die Besonderheiten dieses Turniers. Er weiss, wann Belastung zum Problem werden kann, wann ein Spieler eine Pause braucht und wann eine Mannschaft nach einem Rückschlag reagieren muss.
Vielleicht ist genau das der wichtigste Unterschied zwischen 2023 und 2025: Der HCD weiss heute, dass der Spengler Cup nicht einfach nebenbei gewonnen wird. Das Turnier verlangt eine eigene Herangehensweise – und Davos hat diese Herangehensweise gefunden.
Zweimal in drei Jahren den Spengler Cup zu gewinnen, ist deshalb kaum Zufall. 2023 kehrte Davos nach zwölf Jahren auf den Turnierthron zurück. 2025 bewies der HCD, dass dieser Erfolg kein einmaliger Ausreisser war. Nach der Auftaktniederlage gegen die US Collegiate Selects steigerte sich die Mannschaft, setzte sich gegen unterschiedliche Gegner durch und revanchierte sich im Final ausgerechnet gegen jene Auswahl, die den Gastgeber zuvor vor die grössten Probleme gestellt hatte.

Der HCD hat den Spengler Cup damit wieder zu einem Teil seiner eigenen Identität gemacht. Der Heimvorteil hilft, die Eingespieltheit gibt Sicherheit und die Erfahrung erleichtert den Umgang mit der Belastung. Entscheidend aber ist, dass Davos gelernt hat, sich auf die besonderen Anforderungen dieses Turniers einzustellen. Der HCD weiss inzwischen nicht nur, wie man den Spengler Cup gewinnt. Davos weiss, wie man Spengler Cup spielt.

Text: Spengler Cup-Onlineredaktion    Foto: Keystone
 

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