Die Ambrì-DNA im Blut | Spengler Cup Davos

Die Ambrì-DNA im Blut

Article - Die Ambrì-DNA im Blut

21.12.2023

Inti Pestoni verwertete beim letzten Spengler Cup-Finale gegen Sparta Prag den zehnten Penalty. Mit diesem Treffer bescherte er dem HC Ambrì-Piotta den ersten Triumph am Traditionsturnier und versetzte die vielen treuen Fans im Davoser Eisstadion in Ekstase. Der 32-jährige Stürmer verkörpert genau die spezielle DNA des Tessiner Dorfclubs.

Inti Pestoni erinnert sich gerne ans Spengler Cup- Endspiel 2022 im ausverkauften Davoser Eisstadion. «Sparta Prag trat mit einem ausgezeichneten, prominent besetzten Team an. Wir lieferten den Tschechen vom ersten Bully bis zur Schlusssirene und darüber hinaus ein hartumkämpftes Spiel», erzählt der Ambrì-Stürmer. Weil der Score auch nach der Verlängerung noch 1 : 1 lautete, musste das Penaltyschiessen entscheiden. Und auch dieses hatte es in sich. Pestoni schoss sein Team mit dem insgesamt zehnten und letzten Versuch zum historischen Turniersieg. «Penaltyschiessen sind stets besondere Momente; sie können so oder so ausgehen», blickt der Matchwinner zurück. «Ich war einerseits erfreut, dass ich zum letzten Penalty meiner Mannschaft antreten durfte, aber zugegebenermassen auch etwas nervös. Als ich dann den Puck im Tornetz versenkte, fühlte sich das für mich und das ganze Team grossartig an.»

«Youngster of the Year» nach der ersten kompletten Saison
Ausgerechnet Pestoni sorgte für die Entscheidung für jenen Club, der mehr als jeder andere in der Schweizer National League auf Eigengewächse setzt. Trainer Luca Cereda ist genauso als Spieler beim HC Ambrì-Piotta gross geworden wie Sportchef Paolo Duca. Pestoni wuchs gar unmittelbar neben der altehrwürdigen Valascia-Eishalle auf, die 2021 durch die neu errichtete, moderne Gottardo Arena abgelöst wurde. «Meine Eltern und Grosseltern waren riesige Ambrì-Fans», sagt Pestoni. «Seit meinem dritten Altersjahr nahmen sie mich zu jedem Match in die Valascia mit. «Klein Inti» beliess es jedoch nicht beim Zuschauen. Schon früh bewegte er sich gekonnt auf Schlittschuhen. Nach seiner ersten kompletten Saison in Ambrìs Fanionteam wurde er 2011 zum «Youngster of the Year» im Schweizer Eishockey gewählt. Und bald schon übernahm der schnelle und technisch gut beschlagene Flügelstürmer
mit den feinen Händen und dem auffallend offensiven Instinkt eine Leaderrolle. Seine Qualitäten blieben auch der Konkurrenz nicht verborgen. Von 2016 bis 2021 stürmte Pestoni für die ZSC Lions, den Hockey Club Davos und den SC Bern. So richtig blühte er aber erst wieder auf, als er zu seinem Herzensclub und in sein gewohntes Umfeld in das enge Tal der Leventina mit seinen steilen Bergwänden zurückkehrte.

Ein Traum ist wahr geworden
Eine spezielle Beziehung hat Pestoni zum Spengler Cup. 2013 und 2014 half er am Traditionsturnier beim Genève-Servette HC aus. Beide Male gewann der Tessiner mit den Genfern die Siegertrophäe. Der letztjährige Triumph mit «seinem» HC Ambrì-Piotta übertraf aber alles, bedeutete er doch einen der grössten Erfolge in der Geschichte des Clubs überhaupt. «Als Kind habe ich in der Altjahrswoche jeweils mit meiner Familie die Spengler Cup-Partien am Fernseher verfolgt. Damals träumte ich davon, selbst an diesem Turnier zu spielen», erinnert sich Pestoni und ergänzt mit leuchtenden Augen: «Inzwischen ist dieser Traum wahr geworden – und mehr noch, ich konnte den Spengler Cup-Pokal gar mit Ambrì-Piotta gewinnen!» Haften geblieben sind ihm aus dem Vorjahr aber nicht nur die erfolgreichen Auftritte im Eisstadion. Weil die Spieler ihre Liebsten nach Davos mitnehmen durften, habe während der ganzen Woche ein besonderer Geist von Weihnachten und Eishockey mit der eigenen und der ganzen Ambrì- Familie geherrscht», so Pestoni. «Das war wirklich fantastisch!»

«Wir kommen nicht nach Davos, um Ferien zu machen»
Als Titelverteidiger tritt Ambrì-Piotta diesmal zwischen Weihnachten und Neujahr am Spengler Cup in der Rolle des Gejagten an. «Das wird wieder eine gute und interessante Herausforderung», glaubt Pestoni. Es mache immer Spass, gegen grosse internationale Teams zu spielen: «Wir werden sehen, wie weit wir es bringen.» Eines ist für die Ambrì-Ikone klar: «Wir werden bestimmt nicht nach Davos reisen, um dort Ferien zu machen. Wir werden alles geben, um zu gewinnen!»
Ambrìs Team charakterisiert Pestoni als «speziellen Mix aus jungen und ‹alten› Akteuren»: «Wir haben viele talentierte junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs.» Gerade für diese sei der Spengler Cup auch ein idealer Lehrplatz, wo sie aus Fehlern, die ihnen niemand verüble, viel lernen könnten. An Einsatz wird es bei Ambrì-Piotta bestimmt keinem mangeln. Jeder ist stolz, für den Club am traditionsreichen und prestigeträchtigen Turnier auflaufen zu dürfen. Und die lautstarke Unterstützung durch die vielen blauweiss gekleideten, euphorischen Ambrì-Fans auf der Tribüne ist ihnen gewiss.

Quelle: Spengler Cup-Jahrbuch 2023   Foto: Keystone