24.12.2016 07:01

Titelverteidiger Team Canada, Dinamo Minsk und der HC Lugano gelten vor dem 90. Spengler Cup als meistgenannte Favoriten. 

Titelverteidiger Team Canada, Dinamo Minsk und der HC Lugano gelten vor dem 90. Spengler Cup als meistgenannte Favoriten. Aber auch Automobilist Jekaterinburg und Turnierneuling Mountfield aus Tschechien sind nicht zu unterschätzen. Und der HC Davos als Gastgeber verteilt bestimmt keine Geschenke.

„Spengler Cup, das ist ein sportliches Spektakel in einer tollen Atmosphäre mit Emotionen und Entertainment. Ganz nach den Visionen des Gründers länder- und volksverbindend – schon bei der Premiere 1923 wie auch heuer bei der 90. Austragung“; der neue OK-Präsident Marc Gianola fasst das Davoser Eishockeyturnier in wenigen Worten treffend zusammen. Guy Parmelin pflichtet ihm bei: „Der Spengler Cup begeistert mit seiner langjährigen Tradition und seinem unvergleichbaren Sportsgeist zwischen Weihnachten und Neujahr nicht nur Davos und die Schweiz, sondern die ganze Eishockey-Welt“, sagt der Schweizer Sportminister.

Für die 90. Auflage des Traditionsturniers, das am 26. Dezember nachmittags um 15 Uhr mit der Partie zwischen Lugano und Automobilist Jekaterinburg eröffnet wird, ist angerichtet. Am Abend des Stephanstags stehen sich mit dem Team Canada und Dinamo Minsk zwei Teams gegenüber, die im Final durchaus erneut aufeinander treffen könnten. Der HC Davos greift am 27. Dezember um 20.15 Uhr ins Turnier ein; dann trifft er auf den Verlierer der Partie Team Canada – Dynamo Minsk.

Dave King und das Team Canada

Erstmals wird Luke Richardson das Team Canada am Spengler Cup coachen. Er blickt auf eine langjährige NHL-Karriere mit 1488 Partien für Toronto, Edmonton, die Philadelphia Flyers und Columbus zurück. Zuletzt trainierte Richardson während vier Jahren die Binghamton Senators in der American Hockey League (AHL). Assistiert wird er in Davos von Dave King und Gordie Dwyer. Vor allem die Wahl von King ist interessant. Er personifiziert seit den Achtzigerjahren das Verbandsprogramm der kanadischen Nationalmannschaft und wird respektvoll „Mister Hockey Canada“ genannt. King weist aber auch Europa-Erfahrung auf. So triumphierte der Kanadier 2005 etwa mit dem russischen Spitzenklub Metallurg Magnitogorsk am Spengler Cup.

«Die Möglichkeit, am ältesten internationalen Einladungs-Eishockeyturnier der Welt teilzunehmen, ist ein Saisonhighlight für unsere Spieler wie auch unsere Staff», sagt Sean Burke, der General Manager des Team Canada für den Spengler Cup. «Wir haben ein Team, das mit Führungsqualität sowie mit der Erfahrung von letztem Jahr bestückt ist, und sind zuversichtlich, dass die Spieler das Trikot des Team Canada mit grossem Stolz tragen werden.» Im Team der Kanadier befinden sich fünf Spieler des letztjährigen Siegerteams: Chris DiDomenico (SCL Tigers), Cory Emmerton (Ambri), Drew MacIntyre (Medvescak Zagreb, KHL), James Sheppard (Kloten) und Daniel Vukovic (Genève-Servette). Zach Fucale hütete 2014 und 2015 das Tor der Kanadier an den U20-Weltmeisterschaften. Elf Akteure des Team Canada spielen zurzeit in der Nationalliga.

Dinamo Minsk wie 2009?

Gute Erinnerungen an den Spengler Cup hat Dinamo Minsk. Die Weissrussen sicherten sich bei ihrer bislang einzigen Teilnahme in Davos 2009 auf Anhieb den Turniersieg. Mit der damaligen Mannschaft hat das heutige Team logischerweise nicht mehr viel tun. Der populäre Torhüter Andrei Mezin ist mittlerweile Goalietrainer im Klub. Dinamo Minsk spielt in der russisch geprägten Kontinental Hockey League (KHL), wo es sich auf sicherem Playoff-Kurs befindet. Es stellt jeweils das Gerippe der weissrussischen Nationalmannschaf, angeführt von Sergei Kostyzin und Andrei Stas. Im Kader von Trainer Craig Woodcroft befinden sich aber auch interessante nordamerikanische Spieler wie das Torhüterduo Kevin Lalande/Ben Scrivens, Verteidiger Marc-André Gragnani oder Stürmer Matt Ellison.

Viele Wechsel bei Jekaterinburg

Als zweiter KHL-Vertreter tritt Automobilst Jekaterinburg in Davos an. Die Mannschaft aus dem Ural-Gebiet schied vor einem Jahr bei ihrer Spengler-Cup-Premiere im Halbfinal gegen Lugano (0:3) aus. Der Klub wollte unbedingt wieder nach Davos kommen, um es diesmal besser zu machen. Das Kader wurde stark verändert. Nach der letzten Saison verliessen 13 Spieler Jekaterinburg, dafür stiessen 13 neue hinzu. Bekannteste Spieler sind Captain Petr Koukal, der 2010 mit Tschechien Weltmeister wurde, und der finnische Internationale Tommi Kivistö.

Mountfield mit Bednar und Picard

Einziger Turnierneuling ist am 90. Spengler Cup der HC Mountfield, der in der rund 100 Kilometer östlich von Prag gelegenen Stadt Hradec Kralove beheimatet ist. Trainer Vaclav Sykora verpasste Ende Oktober ein Meisterschaftsspiel. Stattdessen besuchte er die Spengler-Cup-Medienkonferenz. Und anschliessend beobachtete er aufmerksam das NLA-Spiel zwischen Lugano und Davos, also zweier Turniermannschaften. Allein schon diese Begebenheit zeigt, mit welchen Ambitionen Mountfield nach Davos reist. Im Kader fallen zwei Stürmer mit HCD-Vergangenheit auf. Der jetzige Captain Jaroslav Bednar trug 2011 seinen Teil zum Gewinn des Schweizer Meistertitels bei. Und Alexandre Picard spielte letzte Saison in den blaugelben Davoser Farben – auch am Spengler Cup. Für Mountfield werden auch die beiden Ambri-Stürmer Thibaut Monnet und Lukas Lhotak antreten.

Lugano will Verpasstes nachholen

Der HC Lugano verpasste letztes Jahr den Spengler-Cup-Sieg durch eine 3:4-Niederlage gegen das Team Canada haarscharf. Nun will das Team von Doug Shedden die zweite Chance nutzten. Für die Tessiner mit offensiven Schillerfaltern wie Linus Klasen, Patrick Zackrisson oder Gregory Hofmann bildet der Spengler Cup, wo sie etwas mehr Auslauf erhalten, eine ideale Plattform. Die Tessiner verstärken sich für den Spengler Cup mit den beiden Amerikanern James Wisniewski und Ryan Vesce (von Traktor Tscheljabinsk/Russ) sowie mit dem Österreicher Dominique Heinrich (Örebro/Sd). Der renommierteste Spieler aus dem Trio ist Wisniewski. Der 32-jährige Verteidiger hat Ende November den Vertrag mit dem KHL-Team Admiral Wladiwostok nach 16 Partien aufgelöst. Wisniewski bestritt 576 Partien in der NHL, er erzielte dabei 54 Tore und 227 Assists.

Auch Davos mit zusätzlichen Ausländern

Der HC Davos tat sich in der laufenden Saison oft schwer mit dem Toreschiessen. Am Spengler Cup kann das Del-Curto-Team befreit vom Erfolgsdruck aufspielen und sein attraktives, tempostarkes Offensivspiel zur Geltung bringen. Den Davoser Angriff verstärken die beiden Amerikaner Adam Hall (Ambri) und Drew Shore (Kloten) sowie der Schwede Per Ledin (Lausanne). Weil Joren van Pottelberghe mit der Schweiz an der U20-WM weilt, bildet am Spengler Cup Melvin Nyffeler (22, Kloten) gemeinsam mit Gilles Senn (20) das junge HCD-Torhüterduo. Letztmals stand Davos an seinem Heimturnier 2012 im Final, den Turniersieg sicherte sich der HCD zuletzt 2011 dank eines 3:2-Erfolgs im Endspiel gegen Dinamo Riga.