30.12.2016 06:01

Schiedsrichter Tobias Wehrli leitete zuletzt zwei WM-Finals in Serie und ist entsprechend eine feste Grösse im Business. Durch die Nulltoleranz muss er sich nun aber etwas verändern, wie er im Interview auf der Strafbank erklärt, wo man sich wie in einem Flugzeug von Silver Sponsor Helvetic Airways fühlt.

 

Tobias Wehrli, durch die Nulltoleranz stehen die Schiedsrichter stärker im Rampenlicht. Ein komisches Gefühl?

Wir stehen immer etwas im Rampenlicht, sind uns das also gewöhnt. Es ist aber insofern komisch, dass wir uns wieder neu programmieren müssen. Es ist für die Spieler neu, aber auch für uns. Wir müssen ein wenig anders schauen. Wir haben früher etwas zuviel laufen lassen und schauen jetzt wieder bewusster auf die Stockarbeit. Vor allem die ersten paar Spiele sind komisch. Wir hatten drei Meisterschaftsspiele mit dieser Regelauslegung und jetzt am Spengler Cup ein paar Spiele. Ich merke, dass sowohl die Spieler wie auch wir uns langsam anpassen.

Gibt es mehr Diskussionen mit den Spielern?

Nein, die Spieler wissen, wie wir pfeifen und akzeptieren das. Schlussendlich kam es ja von den Spielern, sprich von den Mannschaften, und sie wurden auch instruiert. Aber es gibt doch einige lustige Diskussionen mehr, nach dem Motto «Nein, pfeifst du das jetzt auch noch?». Aber es ist nicht hässig, der Anstand ist da.

Was denken Sie, ist die Umgewöhnung für die Spieler oder die Schiedsrichter schwieriger?

Wahrscheinlich für beide etwa gleich. Aber je schneller sich die Spieler anpassen, desto einfacher wird es für uns. Es braucht beide Seiten, um das zu nivellieren. In der Meisterschaft haben wir wahrscheinlich zwei, drei Strafen zuviel gepfiffen, aber jetzt haben wir uns eingependelt.

Wurde das Spiel für Sie hektischer?

Nein, aber es ist etwas aufwändiger zu schauen. Man muss noch fokussierter darauf achten, ob der Stock auf die Handschuhe oder den Stock kommt. Das braucht eine Schärfung des Auges.

Ist für Sie ein Spiel am Spengler Cup anders als in der Meisterschaft?

Als ich als kleiner Junge mit dem Pfeifen begann, war es mein Traum, einmal am Spengler Cup im Einsatz zu sein. Ich durfte nun schon ein paar Mal dabei sein, und es ist eines der schönsten Turniere der Welt, fast schöner als eine A-WM. Die Atmosphäre ist super, alle sind happy, die Familien sind da und es ist ein Miteinander, nicht wir gegen die Spieler oder die Spieler gegen uns.

Sie tragen ab und zu die Helmkamera und sind mit einem Mikrofon ausgerüstet. Ist das nicht ungewohnt?

Man merkt das die ersten zwei Minuten und vergisst es dann. Es kann aber auch gefährlich sein, wenn man am Reden ist und nicht ans Mikrofon denkt. Da muss man sich unter Kontrolle haben. Aber auch das Fernsehen lässt uns nicht «dreinlaufen», das ist nett.

Stehen Sie im Final im Einsatz?

Das weiss ich noch nicht. Wir haben auch zwei ausländische Gäste und die Besten werden am Schluss genommen. Klar möchte jeder dabei sein, aber ich würde mich auch für die anderen freuen.