06.12.2017 14:20

Kari Jalonen; "Unser Hockey ist taktisch sehr strukturiert"

 

Seit er 2001 und 2002 zwei Mal als Coach von TPS Turku am Spengler Cup teilgenommen hat, ist der ehemalige finnische National- und heutige SCB-Trainer Kari Jalonen Fan des Traditionsturniers. Der 57-Jährige über den finnischen Spengler Cup-Vertreter HPK Hämeenlinna und die Eigenheiten des finnischen Hockeys.

Kari Jalonen, für die meisten Schweizer ist HPK Hämeenlinna nicht nur schwierig auszusprechen, sondern auch eine völlige Unbekannte. Sagen Sie uns, für was steht dieser Klub?

HPK ist ein kleiner Klub aus einer kleinen Stadt in Südfinnland. Im finnischen Hockey steht er vor allem für Tradition und gute Nachwuchsarbeit. HPK spielt schon seit vielen, vielen Jahren in der höchsten Liga, der SM-Liiga, und hat gelernt, mit dem Umstand, dass regelmässig die besten Spieler abgeworben werden, gut umzugehen. Vor allem in den letzten Jahren hat man dort einen sehr guten Job gemacht.

Nun vertritt HPK Finnland in diesem Jahr am Spengler Cup. Was trauen Sie dem Team zu?

Das ist schwierig vorauszusagen und wird vor allem davon abhängen, mit welchen Spielern man antreten kann. HPK hat ein sehr junges Team und gleich mehrere wichtige Spieler, die für die U20-WM, die gleichzeitig in Amerika stattfindet, aufgeboten werden könnten. Umgekehrt gibt es die Möglichkeit, sich zu verstärken. Mal schauen, was sich in dieser Hinsicht tun wird. In der Meisterschaft hatte HPK jedenfalls einen durchzogenen Start, doch es scheint, als habe man mittlerweile den Tritt gefunden.

Wenn man sich das Kader anschaut, sieht man auf den ersten Blick viele grosse und schwere Spieler. Wird in Finnland physischer gespielt?

Es ist tatsächlich so, dass in Finnland nur auf kleineren Eisfeldern gespielt wird. Das hat einen Einfluss aufs Spiel und die Anforderungen. Es führt dazu, dass es zu mehr Zweikämpfen und ein wenig mehr Intensität kommt, als etwa in der Schweiz. Das Spiel wird dadurch ein wenig nordamerikanischer.

Gleichzeitig steht die finnische Liga im Ruf, verhältnismässig torarm zu sein. Woher kommt das?

Etwas salopp gesagt: Finnische Spieler sind wie Mathematiker. Unser Hockey ist taktisch sehr strukturiert. Die Trainer arbeiten in diesem Bereich bereits mit den jüngsten Junioren hart. Ja, die taktische Schulung ist ein Markenzeichen unseres Nachwuchsprogramms. Das machte es wiederum für die Trainer auf der Profistufe einfacher. Als ich Nationaltrainer war, konnte ich die Spieler so aufbieten und zusammenwürfeln, wie ich wollte – alle waren taktisch auf dem gleichen Stand. Ausserdem lehren wir von Beginn weg, dass es unerlässlich ist, in beide Richtungen, also offensiv und defensiv, zu spielen. Das zeichnet im Endeffekt unser Spiel aus.

Im Februar stehen die Olympischen Spiele an, doch dieses Mal werden sie ohne NHL-Spieler stattfinden. Ist das für Finnland ein Vorteil?

Ich glaube nicht, dass das wirklich einen Unterschied macht, weil ja alle Nationen ihre allerbesten Spieler nicht zur Verfügung haben. In Finnland profitieren wir aber schon davon, dass wir sehr viele gute Spieler in der KHL haben. Wir sind überzeugt, dass wir gute Chancen haben, Gold zu gewinnen.

Die Schweizer Nationalmannschaft wird sich am Spengler Cup den letzten Schliff für dieses Turnier holen. Ein Klubturnier als Vorbereitung für Olympia: Macht das aus Ihrer Sicht Sinn?

Oh ja, ich denke schon. Sollte das Team tatsächlich fast in Olympia-Besetzung antreten, könnte das ein Vorteil gegenüber anderen Nationen sein. Es wird Spiele auf gutem Niveau geben, in einer gesunden Wettbewerbssituation, dafür ist man als Coach dankbar. Ausserdem bietet das Turnier auch einen guten Rahmen. Ich war selber 2001 und 2002 als Trainer mit TPS Turku dort und habe eigentliche Hockeyfestspiele erlebt. Es war grossartig. Deshalb freue ich mich schon jetzt, dem Spengler Cup in diesem Jahr wieder einmal einen Besuch abzustatten.