24.11.2017 17:05

Roman Cervenka; Mountfield wird mit viel Rückenwind zu ihrem 2. Spengler Cup-Abenteuer antreten

 

Gottéron-Center Roman Cervenka zählt seit Jahren zu den besten Spielern Tschechiens. Der 31-Jährige darf sich heute Weltmeister, tschechischer und russischer Meister nennen. Von Null auf Hundert lief seine Karriere indessen nicht an. Als Junior von Slavia Prag musste er zuerst in der zweithöchsten Liga Anlauf holen. In Hradec Kralove.

Wenn Ende Januar die Aufgebote für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang verschickt werden, dann dürfte auch die Adresse von Fribourgs Roman Cervenka auf der Empfängerliste des tschechischen Verbands stehen. Der spielstarke Center hat nicht nur lange in der KHL und in der NHL gespielt, er ist auch in seiner Nationalmannschaft eine feste Grösse: In den letzten neun Saisons hat er an sieben Weltmeisterschaften (2009, 2010, 2011, 2014, 2015, 2016, 2017), zwei Olympischen Spielen (2010, 2014) und einem World Cup (2016) teilgenommen und dabei eine WM-Gold- (2010) und eine WM-Bronzemedaille errungen. «Wir werden sehen, wie der Trainer die Mannschaft letztlich zusammenstellt», gibt sich Cervenka zurückhaltend. Doch er lässt durchblicken: «Es gibt ausserhalb der NHL zahlreiche tschechische Routiniers mit viel Talent.»

Es ist fürwahr auffallend, wieviel Erfahrung sich etwa in der höchsten tschechischen Liga findet. Deren 14 Teams beschäftigen nicht weniger als 45 Spieler, die 35 und mehr Jahre auf dem Buckel haben. Zum Vergleich: In Schweden finden sich bei 14 Teams total 22, in Finnland bei 15 Teams 25 und in der Schweiz bei 12 Klubs 20 Spieler in dieser Altersklasse. «Wir hatten eine goldene Generation in den Geburtsjahrgängen zwischen etwa 1976 und 1980. Das waren technisch teils Ausnahmekönner, die nun bis 40 und älter spielen können», erklärt Cervenka diesen Umstand. Ihnen kommt freilich auch entgegen, dass in der Extraliga, anders etwa als in der National League mit ihrem schnellen Nord-Süd-Spiel, taktisch kluges und strukturiertes Hockey gespielt wird, bei dem die neutrale Zone stärker kontrolliert werden muss. Gleichzeitig werden weniger Ausländer engagiert. Warum dem so ist, kann auch Roman Cervenka nicht abschliessend sagen, er vermutet aber, dass dies damit zusammenhängen könnte, dass seit Jahren praktisch ausschliesslich tschechische Trainer am Werk sind, die ein tschechisches Spiel spielen lassen.

Er selber kennt die meisten dieser erfahrenen Akteure aus der Nationalmannschaft, mit einem ganz besonderen hat er bei Slavia Prag sogar lange zusammengespielt: dem ehemaligen Davos-, Lugano- und Bern-Star Jaroslav Bednar (41). «Ein grossartiger Stürmer, ein echter Leader», lobt Cervenka seinen Teamkollegen zwischen 2005 und 2009. Während dieser bei Slavia damals bereits in seiner vollsten Blütezeit war, hatte Cervenka den Weg in die erste Mannschaft seines Stammklubs erst langsam und dank eines Umwegs über die zweite Liga gefunden: Beim HC Hradec Kralove hatte der junge Prager in der Saison 2004/2005 Schwung aufgenommen und sich für seine einzige U20-WM aufgedrängt. «Ich erinnere mich noch gut: Trainer Ladislav Kolda gab mir viel Verantwortung, liess mich spielen und ich schoss viele Tore – es war genau das, was ich für meine Entwicklung brauchte. Hradec Kralove ist überdies nur eine Stunde von Prag entfernt, ich fuhr also jeweils mit anderen jungen Spielern per Auto ins Training.»

Heute, im Jahr 2017, haben sich die Vorzeichen umgedreht. Das Team aus Hradec Kralove, das seit 2013 Mountfield HK heisst, spielt in der höchsten Liga, Slavia dagegen nur noch in der zweithöchsten. Bednar, der als Captain mit Slavia abstieg, wechselte 2015 die Seiten und hat als Star und Captain seines neuen Teams massgeblichen Anteil an der jüngsten Entwicklung Mountfields: In den letzten zwei Saisons unter seiner Führung beendete das Team die Regular Season auf Platz 3 und auf Platz 4, im Vorjahr erreichte man in den Playoffs sogar das Halbfinale und auch in diese Saison sind die Nordböhmen sehr gut gestartet. Sollte die Mannschaft von Trainer Vaclav Sykora nicht vom Weg abkommen, dürfte sie in der Alt-jahreswoche mit viel Rückenwind zu ihrem zweiten Spengler Cup-Abenteuer in Folge antreten. «Ein Team im Aufwind», meint Roman Cervenka anerkennend. Doch eher beschäftigt ihn, dass Slavia Prag immer noch in der Zweitklassigkeit verharrt. In Hradec Kralove hatte er zwar vor mehr als zehn Jahren eine gute Zeit. Aber Slavia Prag? «Das ist etwas anderes», sagt Cervenka, «das ist eine Sache des Herzens.»