29.11.2017 15:28

 Ich erwarte ein ausgeglichenes Turnier mit spannenden Spielen.

 

13 Jahre war Ralph Krueger (58) Coach der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft und so der Baumeister für die erfolgreiche Neuzeit. Mittlerweile ist er im Fussball gelandet, leitet als Vereinsvorsitzender den Premier League-Klub Southampton. Den Spengler Cup 2017 wird er trotzdem besuchen, Energie tanken und sicher auch daran zurückdenken, wie er einst als Spieler im Spital Davos landete...

Wie verbringen Sie in diesem Jahr die Weihnachtstage?

Wir haben mit Southampton am 23. Dezember ein Heimspiel gegen Huddersfield und treten am 26. Dezember in London gegen Tottenham an. Dazwischen versuche ich, zwei schöne Tage in Davos zu verbringen. Und nach dem Tottenham-Spiel werde ich in Davos den Spengler Cup besuchen. Dieses Turnier ist immer in meinem Kalender eingetragen. Es ist ein erfrischendes Turnier. Immer Unterhaltung, immer eine tolle Stimmung. Der Spengler Cup gehört zu den Spitzen-Turnieren weltweit. Und Davos ist ein wichtiger Punkt im Leben unserer Familie. Wir sind alle sehr gerne hier und auch wenn ich nur mal ein zwei Tage hier bin, kann ich extrem viel Energie tanken, egal in welcher Jahreszeit.

Wie sehen Sie die sportliche Qualität des Turniers?

Ich finde sie immer gut, es sind ja jeweils auch starke europäische Mannschaften dabei. In diesem Jahr ist speziell, dass das Schweizer Nationalteam und Team Canada im Rahmen ihrer Olympia-Vorbereitung antreten. Das ist ein Highlight, so kurz vor Olympia. Aber sie werden gegen eingespielte Teams antreten müssen, was für ein sehr hohes Niveau sorgen wird. Der Spengler Cup ist generell ein gutes Turnier, auch wenn der physische Bereich meist nicht im Vordergrund steht. Es macht Spass, eine Woche Eishockey auf diese Art zu sehen.

Sind die Schweiz und Team Canada die Favoriten auf den Turniersieg?

Auf dem Papier ganz sicher. Aber das Schöne am Spengler Cup ist, dass die Tagesform immer eine Rolle spielt, diese K.o.-Spiele, bei denen die Favoriten verlieren können. Ich erwarte ein ausgeglichenes Turnier mit spannenden Spielen.

Sie waren 13 Jahre Schweizer Nationalcoach, wie intensiv verfolgen Sie unsere Nati heute noch?

Es ist klar, dass diese Mannschaft immer tief in meinem Herzen bleiben wird. Es ist ein Team, das ich immer verfolge, auch weil wir uns als Familie in der Schweiz so zuhause fühlen. Und weil mein Sohn Justin mit Deutschland ebenfalls die grossen Turniere bestreitet, habe ich immer eine Kombi-Möglichkeit. Seit dem Ende meiner Zeit als Schweizer Nationalcoach war ich an jeder WM ein paar Tage dabei. Ich verfolge das sehr nah.

An den Olympischen Spielen 2014 waren Sie als Consultant im Coaching-Team der Kanadier, da gab es die Goldmedaille. War das der Höhepunkt Ihrer Trainer-Karriere?

Nein, es war definitiv ein Highlight, ebenso wie die Silbermedaille mit Team Europa beim World Cup of Hockey 2016 mit einigen Schweizer Spielern, es waren spezielle Events. Aber wenn man die Geschichte bei der Schweizer Nationalmannschaft als Trainer nimmt, ist es wie ein Gesamthöhepunkt. Ich habe da so viel erleben dürfen, konnte mit so vielen guten Spielern und Staff-Mitgliedern zusammenarbeiten – da würde ich nie einen einzelnen Punkt oder Moment rausnehmen. Diese gesamte Zeit war «das Fleisch» in meiner Karriere, auch wenn es keine Medaille oder riesige Erfolge gab. Das Projekt als solches war für mich ein Höhepunkt.

Das Eishockey hat noch immer einen grossen Platz in Ihrem Herzen, obwohl Sie seit 2014 bei Southampton im Fussball tätig sind...

Das Eishockey bleibt da, wo es immer war. Es ist eine faszinierende Sportart, die sich unheimlich entwickelt hat. Die Athleten sind so viel besser als vor zehn Jahren und die Attraktivität dieser Sportart steigt immer weiter. Ich weiss nicht, wo das Ende ist.

Können Sie sich eine Rückkehr ins Hockey vorstellen, wenn das Projekt Southampton mal beendet ist?

Man soll nie nie sagen, und wer mich kennt, weiss, dass ich ein Projektmensch bin, der lieber länger an einem Ort arbeitet. Wie lange das sein wird und wohin mich meine Zukunft führen wird, ist sehr offen. Obwohl ich 58 Jahre alt bin, fühle ich mich extrem jung, weil ich schon so lange im Sport arbeite und immer junge Menschen um mich herum habe. Ich habe noch einiges vor in meiner Karriere. Ich lasse da alle Türen offen.

Sie haben früher ja auch selber den Spengler Cup bestritten...

Ja, mit Düsseldorf und Schwenningen insgesamt viermal. So habe ich auch Davos kennengelernt. Es war die erste Reise meiner Frau nach Europa und 1986 für Justin im Alter von drei Monaten die erste Reise ins Ausland. Später hat er in Davos Eishockey spielen gelernt. Unsere Beziehung zu Davos war und bleibt intensiv und der Spengler Cup ist ein zentraler Punkt in meinem Leben. Zumal ich hier auch mal einen Schädelbruch erlitt.

Wie bitte?

Ich war mit Düsseldorf am Turnier, erlitt eine Gehirnerschütterung und am nächsten Morgen hatte ich im Hotel einen Kreislaufkollaps mit Schädelbruch. Ich musste ins Krankenhaus von Davos und auch nach Silvester noch zwei, drei Wochen bleiben. Diese Zeit hat mich extrem geprägt. Ich habe es aber überlebt und bin immer noch da.