04.01.2018 08:17

Russen und Kanadier sollen Klingen kreuzen

 

OK-Präsident Marc Gianola ist mit dem 91. Spengler Cup sowohl aus sportlicher wie wirtschaftlicher Optik zufrieden. Oberstes Ziel für die nächste Ausgabe des Traditionsturniers ist die Verpflichtung einer starken russischen Mannschaft. 

Marc Gianola, der 91. Spengler Cup ist Geschichte. Wie lautet Ihre Bilanz?

Marc Gianola: Organisatorisch war es ein super Spengler Cup. Alles, was wir neu aufgleisten, passte. Im Stadion und drum herum herrschte eine gute Stimmung. Neun der elf Partien waren ausverkauft; das ergab eine Stadionauslastung zwischen 98 und 99 Prozent. Im Sponsoring waren wir ebenfalls ausverkauft. Und im Hospitality-Bereich verkauften wir im Eisdom zwischen 95 und 98 Prozent aller Plätze. Wirtschaftlich war es ein sehr guter Spengler Cup.

Und sportlich?

Die Spiele waren attraktiv. Zum Teil gab es zwar hohe Resultate, doch das war schön für die Zuschauer. Grundsätzlich erachte ich es als wichtig, dass die Teams engagiert auftreten. Das war in jedem Match der Fall. Hämeenliina und Dinamo Riga waren schwächer als die anderen Turniermannschaften. Hämeenliina beklagte viele Absenzen, und Riga bekundet generell eine sehr schwierige Saison. Aber auch die Spieler dieser beiden Teams warfen sich die Schüsse.

Den sportlichen Auftritt überstrahlte der erste Auftritt des Schweizer Nationalteams seit 38 Jahren am Spengler Cup.

„Überstrahlen“ ist ein spezieller Begriff. Das Team Canada spielte genau so gut, es erreichte ebenfalls auf kürzestem Weg den Final und setzte sich im Endspiel nicht unverdient durch. Nach so langer Abwesenheit bezeichne ich das Comeback der Schweizer Nati eher als Novum. Aus sportlicher Optik war es eine geniale Geschichte. Die besten Schweizer Spieler zeigten sich an unserem Turnier. Und sie kämpften um einen Olympiaplatz. Das war eine einmalige Ausgangslage, die dem Spengler Cup sehr viel half.

Welche Feedbacks erhielten Sie ob der Teilnahme des Schweizer Nationalteams?

Es begann mit kontroversen Diskussionen, ob wir die Nationalmannschaft überhaupt an unser Klubturnier einladen sollten. Die Klubs bilden bekanntlich die Wurzeln des Spengler Cups. Für uns ist es generell wichtig, dass wir gute Mannschaften an unserem Turnier haben. Anderseits geht es aber auch um die grosse Linie; da machen wir uns Gedanken, wie wir dem Eishockey helfen können. Bekanntlich spielt die Schweiz im Februar an den Olympischen Spielen, und 2020 wir die A-Weltmeisterschaft in der Schweiz ausgetragen.

Wird die Schweiz auch am nächsten Spengler Cup in Davos antreten?

Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht. Wir werden die Situation jetzt analysieren und die Vor- sowie Nachteile abwägen und auswerten. Der Entscheid sollte bis Ende Februar fallen.

Was können Sie bereits zum Teilnehmerfeld am nächsten Spengler Cup sagen?

Gesetzt sind der HCD und das Team Canada; der kanadische Verband hat den Vertrag mit dem Spengler Cup eben erst um fünf Jahre verlängert. Wir werden versuchen, eine russische Mannschaft an unser Turnier zu holen. In den beiden letzten Austragungen hatten wir zwar auch je einen Vertreter aus der KHL am Turnier, aber mit Dinamo Riga einen aus Lettland und mit Dinamo Minsk einen aus Weissrussland. Wir möchten am Spengler Cup unbedingt wieder die kanadische und die russische Eishockeyphilosophie präsentieren und deren Klingen kreuzen lassen. Weiter wird erneut ein Team aus Finnland an den Spengler Cup kommen; es dürfte sich um die bestmögliche finnische Mannschaft handeln, die nicht in der Champions League involviert ist. Generell wünschen sich viele Mannschaften eine Spengler-Cup-Einladung. Im Februar veranstalten wir während der Olympiapause ein Freundschaftsturnier, an welchem Metallurg Magnitogorsk aus Russland, Trinec aus Tschechien, Dinamo Riga und der HCD teilnehmen. Vielleicht rekrutiert sich daraus ein Team für den nächsten Spengler Cup.

Welches wäre Ihr absolutes Wunschteam?

SKA St. Petersburg. Die Mannschaft gewann 2010 den Spengler Cup und dominiert die Meisterschaft in der KHL.