
Petr Pohl: Heimat statt NHL-Traum
''Mein Herz schlug von Anfang an früh für Vitkovce'', blickt der 25-jährige Tscheche zurück.
Man spürt sofort: Was Pohl sagt, meint er tatsächlich - seine Verbundenheit mit dem Team aus Ostrava ist spürbar.
Pohl: ''Meine Freundin fühlt sich wohl''
Pohls langjährige Freundin ist Amerikanerin ist. Rasch kommt der Gedanke auf, dass sie eines Tages in ihre Heimat zurückkehren möchte. Würde Pohl ihr dann folgen?
''Sie fühlt sich wohl in Ostrava'', lacht Pohl und weicht der Frage so aus. Dem Vitkovice-Stürmer ist anzumerken, dass er keine Spekulationen um einen möglichen Abgang aufkommen lassen möchte.
Aus Bewunderung wurde mehr...
Mit der Freundin ist also bei Pohl alles im Lot. Es gibt allerdings weitere wichtige Gründe, die dafür sprechen, dass er Vitkovice noch einige Jahre erhalten bleibt. Der Wichtigste ist seine Verbundenheit mit dem Klub. Pohl erklärt: ''Schon als kleiner Knirps ging ich nach der Schule ins Stadion, um meine Idole im Training zu beobachten.''
Im Laufe der Jahre wich die Bewunderung dem Glauben, dass er es selbst einmal schaffen könnte, für Vitkovice aufzulaufen.
Bereits in jungen Jahren wurde er in die Nachwuchsakademie des Klubs aufgenommen - rasch beeindruckte er die Verantwortlichen mit seinem Talent und dem eisernen Willen, sich stets verbessern zu wollen.
Viele Klubs - aber der Durchbruch blieb aus
Doch kurz bevor Pohls ursprünglicher Traum, einmal das Dress der ersten Mannschaft Vitkovices tragen zu dürfen, wahr wurde, veränderte sich alles. Mit nur 17 Jahren entschied er sich plötzlich, nach Übersee in die Juniorenliga QJMHL (Quebec Junior Major Hockey League) zu ziehen. Dort sah Pohl die grösseren Chancen als in der Heimat, eines Tages in der NHL zu spielen.
Doch es klappte nicht mit der NHL-Karriere. Auch heute ihm die Enttäuschung darob noch ins Gesicht geschrieben.
''Warum? Es sind unzählige kleine Gründe...''
Nach dem Teenager-Engagement bei den Gatineau Olympiques tourte Pohl sechs Jahre durch verschiedene Ligen Nordamerikas. Aber die Columbus Blue Jackets, die ihn einst gedraftet hatten, fanden für ihn nie Verwendung.
''Warum es nicht geklappt hat? Schwierig zu sagen, es sind wohl unzählige kleine Gründe'', so Pohl. Auf sie alle einzugehen, würde den Rahmen sprengen.
Ruft Arno del Curto irgendwann an?
Heute ist Pohl froh, seit eineinhalb Jahren doch endlich bei Vitkovice spielen zu dürfen - frei nach dem Motto ''besser spät denn nie.'' Ob er ''seinen'' Klub überhaupt noch einmal verlassen möchte? ''Da mache ich mir keine Gedanken. Ich bin einfach nur froh, dass jetzt etwas Ruhe in meiner Karriere eingekehrt ist'', so der 1.81 m grosse Filmliebhaber.
Für einen anderen Klub in Tschechien zu spielen, kann sich Pohl auf alle Fälle nicht vorstellen. Und wie wäre es mit Davos? ''Es ist wunderschön hier, ich liebe die Berge und der Schnee'', sagt er.
''Da bin ich Realist - das schaffe ich wohl nicht''
Als Tscheche stünden seine Chancen gar nicht so schlecht, im Landwassertal zu landen - nur allzu gut weiss auch er, dass Arno del Curto seit Jahren auf Landsleute Phols setzt. ''Wieso nicht?'', lacht er und ergänzt, dass man nie wisse was die Zukunft bring.
Und wie sähe es mit einem zweiten Versuche eines Nordamerika-Abenteuers aus? ''Das glaube ich eher nicht'', erklärt Pohl, ''da bin ich Realist, in die NHL schaffe ich es wohl nicht.'' Man merke: Es muss nicht immer die NHL sein...
Von Mathias Germann