Der Spengler Cup steht vor der Tür. Angesichts der hochkarätigen ausländischen Teams fragt sich manch einer: Kann der HCD bestehen? sport.ch sprach mit Coach Arno Del Curto darüber und blickte mit dem Erfolgscoach auch etwas zurück...
sport.ch: Arno Del Curto, zum 15. Mal stehen Sie beim Spengler Cup an der Bande des HC Davos. Bisher haben Sie das Turnier viermal gewonnen - zufrieden?
Arno Del Curto: Sicher, ich kann mich nicht beklagen. Wenn man bedenkt, was jährlich für Top-Teams hier hoch kommen, ist dies bemerkenswert.
Wie hat sich das Eishockey in dieser Zeit verändert?
Es ist in allen Bereichen schneller geworden. Wenn man sich heute eine Kassette mit der Aufzeichnung eines Spiels von 1995 anschauen würde, käme man aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Welche konkreten Veränderungen erkennen Sie?
Im körperlichen Bereich wurde eine Schippe draufgelegt, alle Spieler sind heute schwerer, muskulöser. Im Sommer wird auf viel höherem Niveau trainiert. Schliesslich sind die Schüsse härter und das schlittschuhläuferische Element verbessert worden.
Und bezüglich den Spielsystemen: Spielen die Kanadier immer noch ''kanadisch'' und die Russen ''russisch''?
Ja und nein. Die zunehmende Globalisierung machte auch vor dem Eishockey nicht halt, es gibt keine Geheimnisse mehr. Dennoch bleibt einiges in Ansätzen sichtbar: Tschechen spielen schlau, Russen dribbeln, Kanadier gehen hart auf den Mann, Schweden sind perfekt organisiert, Finnen spielen mit hohem Tempo.
Und was wünschen Sie sich beim HCD?
Eine Mischung von allem. Mein Ziel ist und wird es immer sein, mein Team schneller zu machen - und zwar in allen Bereichen. Sei es beispielsweise in der Umschaltung von der Defensive auf die Offensive oder beim Forechecking. Auch im Kopf muss man immer schneller werden, Spielsituationen vorausahnen, schnell reagieren, sich taktisch umstellen können. Ich will Tempohockey sehen - immer und überall.
Immer soll alles noch schneller gehen. Wo liegt bezüglich der Physis die Grenze des Machbaren?
Es gibt keine Grenzen. Sehen Sie, früher dachte man, dass es unmöglich sei, die 100 Meter unter 10 Sekunden zu laufen. Und wo stehen wir jetzt? Bei 9,58 Sekunden. Eines Tages wird ein Athlet nach weniger als 9 Sekunden das Ziel erreichen. Die Frage ist nur, wann dies geschehen wird.
Beim diesjährigen Spengler Cup wird wohl ebenfalls aufs Gaspedal gedrückt werden. Welches Team ist für Sie Favorit?
Das kann ich nicht sagen, denn das würde die anderen Mannschaften diskreditieren. Ich denke wirklich, dass alle den Pokal holen können.
Welches Ziel verfolgen Sie?
Das kann ich noch nicht sagen. Klar, ich will immer gewinnen - egal wie das Turnier oder der Gegner heisst. Aber ist das immer möglich? Nein.
Davos hat bislang eine sehr gute Saison gespielt...
Ja, sicher. Aber es gibt viele Fragezeichen. Das grösste ist: Wie verkraften jene Spieler, die erst vor kurzem ins Team zurückgekehrt sind, die Belastung? Vergessen wir nicht: Wir haben vier Spieler, die praktisch ein Jahr lang keinen Ernstkampf bestritten haben.
Klagen hörte man von Ihnen bisher nie während der Saison...
Nein, ich habe nie reklamiert. Was ich gemacht habe, sind nüchterne Feststellungen. Wir liefen lange personell auf dem Zahnfleisch und stehen trotzdem auf Rang zwei. Ich erlaube mir zu sagen: Wir haben Grossartiges geleistet.
Können wir Ihnen wirklich keine Prognose in Bezug auf den HCD entlocken?
Es ist möglich, dass wir einen tollen Spengler Cup spielen. Es könnte aber auch sein, dass wir brutal kämpfen müssen.
Von Mathias Germann