21.12.2010
Genf: Mehr als nur das 2. Schweizer Team
Der Servette Genf HC mauserte sich in den letzten Jahren zum Spitzenteam, was zwei Vizemeistertitel innerhalb der letzten drei Spielzeiten unterstreichen.
Die ehemals graue Maus hat sich zum Farbtupfer der Liga entwickelt. Dies war auch der Grund für die Einladung der Genfer an den Spengler Cup: ''Servette ist sportlich eine der besten Mannschaften des Landes und passt deshalb bestens an unser Turnier'', so OK-Präsident Fredi Pargätzi. Darüber hinaus signalisierte Servette von Anfang an, dass es eine Einladung annehmen würde. Eine Sympathie, die auf Gegenseitigkeit beruht. ''Servette unterstützte den Spengler Cup immer und wird dies auch immer tun'', betont auch Servettes Headcoach McSorley.
Der grosse Durchbruch
Im Sommer 1995 gelang Servette nach 15 Spielzeiten als Liftmannschaft zwischen der Erstliga und der Nationalliga B der Aufstieg in die Nationalliga B. Dies war die Initialzündung zu einem ambitionierten Projekt, das den GSHC an die nationale Spitze führte. Sechs Jahre nach dem Aufstieg in die NLB doppelte Servette nach: Nach dem 4:0-Sieg über Chur in der Ligaqualifikation stiegen die Genfer in die höchste Spielklasse auf. Dort spielten sie zunächst nur eine untergeordnete Rolle, erreichten selten die Play-offs. In der Folge stiegen am Genfersee die Ambitionen, was sich in den erreichten Erfolgen widerspiegelt.
In der Saison 2007/08 gelang Servette der grosse Durchbruch. Die Genfer konnten sich zum ersten Mal für die Finalserie um den Meistertitel qualifizieren. In dieser führte Servette gegen die ZSC Lions zwar mit 2:0, verlor danach aber vier Spiele in Folge und somit auch die Serie. In der letzten Saison stand Servette erneut im Finale, Gegner war ein überragender SC Bern, der bis dahin noch kein Play-off-Spiel verloren hatte. Als die Berner die Serie mit 3:1 anführten, sahen sie viele schon als entschieden an. Nicht so die Genfer, die sich in die Serie zurückkämpften und den SCB nach zwei Siegen zu einem Entscheidungsspiel zwangen. Dort reichte die Kraft aber nicht mehr, sodass schliesslich doch die Berner als Sieger und Meister hervorgingen.
McSorley - der Baumeister
Der Baumeister dieses Erfolgs trägt den Namen Chris McSorley. Der Kanadier steht seit der Saison 2001/02 an der Bande der Genfer und kann auf eine erfolgreiche Ära zurückblicken. Er ruht sich aber nicht gerne auf den Lorbeeren aus, blickt lieber in die Zukunft: Ich bin überzeugt, dass wir uns weiterhin so erfreulich entwickeln und weiter wachsen werden», so der Trainer, der die Einladung an den Spengler Cup auch als Anerkennung der jüngsten Leistungen ansieht. ''Für uns ist es eine enorme Ehre, an diesem attraktiven Turnier teilnehmen zu dürfen. Schon bevor ich in der Schweiz Trainer wurde, kannte ich den Spengler Cup als prestigeträchtigen Anlass des europäischen Eishockeys.''
Zielstrebig offensiv
Servette will in Davos aber mehr als nur die zweite Schweizer Mannschaft sein - die Genfer haben sich ehrgeizige Ziele gesteckt. ''Wir würden im nächsten Jahr gerne wieder eingeladen werden. Deshalb werden wir alles dafür geben, das Turnier zu gewinnen'', betont McSorley gewohnt zielstrebig. Servette ist für ein offensives, aggressives Spiel bekannt. Die Zuschauer dürfen sich auf eine Mannschaft freuen, die einen spektakulären Spielstil pflegt. Der Headcoach gibt sich optimistisch: ''Ich bin mir sicher, dass unser Power-Hockey bei den Fans gut ankommen wird. Wir wollen den zahlreichen Zuschauern etwas bieten und unseren Teil zur hervorragenden Ambiance in Davos beitragen.''
Ausländer mit über 1000 NHL-Einsätzen
Servettes Mannschaft hat sich auf diese Saison hin nur wenig verändert. Gewichtige Abgänge sind Juraj Kolnik, der am letzten Spengler Cup den HC Davos verstärkte, und Marek Malik. Die beiden Ausländer wurden durch zwei NHL-Haudegen ersetzt. Verteidiger Brian Pothier bringt die Erfahrung von 362 NHL-Spielen mit; Richard Park, Amerikaner mit südkoreanischen Wurzeln, hat sogar 722 NHL-Einsätze in den Beinen. Die beiden Routiniers bilden zusammen mit dem herausragenden Torhüter Tobias Stephan, der Leaderfigur Goran Bezina sowie dem pfeilschnellen Tony Salmelainen die Schlüsselspieler eines starken Kollektivs. Das Ausländerkontingent wird ergänzt durch Stürmer Jeff Toms. Weitere Leistungsträger sind Nationalspieler Thomas Déruns, der in Genf die wichtige Rolle der Integrations- und Identifikationsfigur einnimmt, sowie Morris Trachsler und Paul Savary.