31.12.2009
Spengler Cup: Das waren die Highlights!

Team Canada zeigte sich äusserst volksnah
Der Spengler Cup 2009 findet mit dem Final zwischen Davos und Minsk seinen letzten Höhepunkt. Welches waren die grössten Highlights am diesjährigen Spengler Cup? Hier folgt die Übersicht...
Grosse Ehre für Marc Gianola
Grosses Pech hatte das Davoser Urgestein Marc Gianola. Aufgrund einer Knieverletzung musste der Captain des HCD seine Hockeyaner-Karriere beenden. Die Davoser würdigten nun seine Leistungen für den Verein, indem sie das Trikot mit der Nummer 5 unters Stadiondach aufzogen und die Nummer nie mehr vergeben werden. Diese Ehre wurde bislang noch keinem anderen Davoser erwiesen.
Die emotionale Zeremonie fand vor dem ersten Spiel des Spengler Cups statt, ein würdiger Rahmen für die Verabschiedung des langjährigen HCD-Verteidigers. Von den Zuschauerrängen gabs eine Standing Ovation, da musste selbst der hartgesottene Hockeycrack eine Träne verdrücken.
Team Canada - Karlovy Vary
Was für ein Auftakt in den Spengler Cup 2009: Lokalmatador Davos konnte das erste Spiel gegen Minsk knapp mit 3:2 für sich entscheiden und versetzte die Fans erstmals in Ekstase. Doch das eigentliche Highlight sollte noch folgen: In einem offenen Schlagabtausch ohne taktische Zwänge gewann Team Canada das Abendspiel gegen Karlovy Vary mit 7:6 nach Penaltyschiessen. Dieses Spiel liess keine Wünsche offen.
Wunderbare Tore, harte Checks und Offensivdrang ohne Rücksicht auf Verluste. Dreimal wechselte die Führung, kein Team konnte sich nie mehr als ein Tor Vorsprung erarbeiten. Hockeyspektakel pur in der Vaillant Arena, und als Zückerchen musste die ein Penaltyschiessen die Entscheidung bringen. Eine Partie, die eigentlich zwei Sieger verdient gehabt hätte. Die beiden Teams legten die Messlatte sehr hoch, einzig der "Halbfinal" zwischen Minsk und Canada kam punkto Spektakel und Intensität in die Nähe des Abendspiels am Auftakttag.
Die Mannheim-Fans
Während der erste Auftritt der Adler auf dem Eis eher mager ausfiel (1:2 gegen Dynamo Minsk), war die Performance der Mannheimer Fans auf den Rängen umso beeindruckender. Die deutschen Schlachtenbummler machten Stimmung, dass die Wände des Davoser Eispalastes wackelten. Da musste sogar DJ Magic Rolf hinten anstehen, der Stadion-DJ wurde gar ausgebuht, als er während den Mannheimer Fangesängen Musik einspielte. Trotz zahlenmässiger Überlegenheit waren für einmal nicht die HCD-Fans die lautesten am diesjährigen Spengler Cup. Ein Lob gebührt dem Fan-Verhalten allgemein. Trotz unzähligen Litern Bier war die Stimmung stets friedlich, die Zuschauer trugen ebenso ihren Anteil an einem gelungen Turnier bei wie die Teams auf dem Eis.
Hockeyaner zum Anfassen
Kaum einmal sind die Zuschauer und Medienschaffenden näher an den Hockeystars als am Spengler Cup. Dabei überraschte der lockere Umgang der Spieler mit dem Rummel. Ohne Starallüren präsentierten sich die Cracks volksnah, gaben geduldig Auskunft und kannten keine Berührungsängste. Am traditionellen Family-Day konnte man mit den Akteuren des Team Canada und ihren Angehörigen Eislaufen. Ebenso hatten die jungen Hockeyfans am Kids-Day die Gelegenheit, einmal mit den HCD-Profis zu trainieren. Stars zum Anfassen - das gibts nur am Spengler Cup.
Der Turnierverlauf
Dem Spielplanersteller gebührt ein Sonderlob. Er hatte das Näschen, die Spiele so aufzugleisen, dass eine der spannendsten Konstellationen entstand, die der Spengler Cup je gesehen hat. Die Paarungen am letzten Gruppenspieltag avancierten zu echten Halbfinals, ein K.O.-System trotz Gruppenphase, sowas hat man noch nicht oft gesehen. Vier Teams konnten aus eigener Kraft die Finalqualifikation erreichen, so hatten für einmal auch die Statistiker ein ruhiges Turnier, da sie keine Wenn-Dann-Szenarien durchkalkulieren mussten.
Der HC Davos
Der Lokalmatador steht im Final und konnte somit die hohen Erwartungen erfüllen. Die Bündner setzten sich in einem hochkarätigen Teilnehmerfeld durch und zeigte einmal mehr, wieviel mit defensiver Disziplin zu erreichen ist. Einzige Ausnahme bildete dabei das Spiel gegen Team Canada, als die Davoser eine 2:6-Klatsche kassierte. Aber auch dieser Rückschlag brachte das Team von Arno del Curto nicht aus dem Konzept. Die Gelb-Blauen besannen sich auf ihre Tugenden und schafften im "Halbfinal" gegen Mannheim den angestrebten Sieg. Die Zuschauer und den HCD-Finanzchef freuts, der HCD wird eine weitere Partie vor ausverkauftem Haus absolvieren.
Evgeni Kovyrshins Absatz-Tor
Headschiedsrichter Danny Kurmann hatte kein Einsehen und aberkannte (zurecht) den Treffer von Minsks Flügelstürmer Kovyrshin. Doch dieser Absatztrick hätte aus rein ästhetischen Gründen zählen müssen. In bester Hannu-Tihinen-Manier schloss er ein Zuspiel seines Stürmerkollegen mit dem Rücken zum Tor ab. Dabei gab er dem Puck durch eine Rückwärts-Kickbewegung dem Puck die entscheidende Richtungsänderung an Genoni vorbei ins Tor. Sah Weltklasse aus, ist aber leider verboten. Besser machte es tags zuvor Kurtis McLean, der im Spiel gegen Minsk einen Puck mit den Schlittschuhen in den Netzhimmel donnerte, ohne eine Kick-Bewegung auszuführen. Schlittschuh-Tore, ein echter Leckerbissen am Spengler Cup.
Von Daniel Bossi