30.12.2009
Butenschön: Davos als Olympia-Startrampe?

Ein sanfter Riese: Sven Butenschön
Seine Muttersprache ist Englisch, seine Heimatstadt Vancouver und sein Spielstil kanadisch geprägt: Deutschlands Nationalspieler Sven Butenschön ist kein gewöhnlicher Hockey-Spieler. Mit den Adlern Mannheim will er in den Spengler-Cup-Final...
Auswanderung nach Kanada
Hoch im Norden Deutschlands wurde Sven Butenschön geboren, genauer gesagt in Itzehoe. An sein Leben in Schleswig Holstein kann er sich nicht mehr erinnern, wie auch - als er zwei Jahre alt war, wanderte seine Familie nach Kanada aus.
In Nordamerika packte Butenschön schon bald das Hockeyfieber, 18-jährig wurde er von den Pittsburgh Penguins als Nummer 57 gedraftet. ''Ich musste mich allerdings gedulden, meine Karriere verlief nicht so steil'', erinnert er sich. 1997 schliesslich durfte er erstmals im Dress der ''Pens'' auflaufen, wobei er rasch wieder in das Klub-Farmteam abgeschoben wurde.
Ein Fremder in der Heimat?
In den Jahren darauf wurde Butenschön hin- und hergeschoben zwischen verschiedenen Klub-Organisationen, eine für nordamerikanische Verhältnisse typische Konstellation. ''Erst die New York Islanders waren der richtige Verein, ich erlebte dort die beste Zeit meiner NHL-Karriere'', sagt der 1.93 Meter grosse Verteidiger.
Während des Lockouts in der Saison 2004/05 zog es ihn nach Mannheim. ''Obwohl ich den deutschen Pass schon immer besass, fühlte ich mich immer als Kanadier'', spricht Butenschön die spezielle Situation an. War er also ein Fremder in seinem Geburtsland? ''Nein, das nicht. Aber es war und ist auch heute für meine Teamkollegen schon speziell, dass ich beim Sprechen einen englischen Akzent habe.''
Butenschön: ''Ich kann ja nicht einfach anrufen...''
Nach einer kurzzeitigen, von wenig Erfolg geprägten Rückkehr in seine echte Heimat Vancouver zog es Butenschön 2006 endgültig nach Mannheim. Ihm gefällt es bei den Adlern, auch wenn die familiäre Situation nicht immer einfach ist. ''Meine Frau und unsere zwei Kinder sind nicht immer bei mir, pro Jahr leben sie etwa sechs Monate in Vancouver.''
Beim Stichwort Vancouver beginnen die Augen des sympathischen ''Riesen'' zu leuchten: Nur allzu gerne würde er bei sich ''zuhause'' mit Deutschland die Olympischen Spiele bestreiten. Noch hat er allerdings alles andere als eine Garantie, dass er dabei sein wird - auch, weil mehrere Deutsche NHL-Verteidiger zur Verfügung stehen werden. Von Nationaltrainer Uwe Krupp hat er schon länger nichts mehr gehört, ''aber einfach anrufen kann ich ja auch nicht.'' Er müsse jetzt einfach Leistung zeigen, ''dann wird mein Traum vielleicht doch wahr''. Butenschön hat bezüglich grossen Länder-Turnieren einiges nachzuholen: Da er nie als Junior in Deutschland gespielt hatte, musste er zuerst zwei Jahre am Stück bei Mannheim spielen - vorher durfte er das Nationaltrikot nicht überstreifen.
Magen-Darm-Grippe als Rückschlag
Viel Zeit bleibt nicht mehr, um sich ins Nati-Kader zu spielen. Darum möchte Butenschön wenn möglich schon jetzt beim Spengler Cup brillieren.
Bisher lief es dem Defensiv-Verteidiger nicht nach wunsch, das erste Spiel erlebte er vom Hotelbett aus, eine Magen-Darm-Grippe legte ihn flach. ''Nun läuft es aber besser, ich kann auch wieder normal essen'', macht er sich gleich selbst ein wenig Mut.
Davos ''unglaublich gut''
An der Motivation wird es nicht liegen, wenn Butenschön mit seinen Adlern im ''Halbfinal'' gegen Davos aufläuft. ''Die Rivalität mit der Schweiz ist für uns gut, sie pusht uns noch mehr nach vorne'', erklärt er. Trotzdem weiss er um die Schwierigkeit der Aufgabe, die auf sein Team wartet: ''Davos ist eine unglaublich gute Mannschaft. Die läuferischen Fähigkeiten sind absolut top - so wie wir die Schweizer halt kennen.''
Kann Butenschön den Spengler Cup als Startrampe für die Erfüllung des Olympia-Traums benutzen? Er findet Gefallen an diesem Gedanken - der HCD wohl weniger...
Von Mathias Germann