Der HC Davos ist perfekt zum 83. Spengler-Cup gestartet. Nach dem zweiten Turniertag führt der Schweizer Meister die Tabelle verlustpunktlos an.
Ostblock-Duelle siegreich gestaltet
24 Stunden nach dem 3:2 gegen den Debütanten Minsk besiegte der HCD den tschechischen Champion Karlovy Vary 5:3. Die Osteuropäer verlängerten mit ihrem missratenen Auftakt eine "Tradition": Seit Dukla Jihlava (Sieger 1982) haben die tschechischen Vertreter in Davos mehrheitlich nur Randnotizen produziert.
Schon an den ersten beiden Tagen vermeldeten die Veranstalter dreimal "guichets fermés" -- drei von vier Partien waren mit 6746 Zuschauern ausverkauft. In den Genuss eines ersten Penaltyschiessens kamen die Fans ebenfalls bereits: Das Team Canada beanspruchte das "Shootout" beim 7:6 gegen Karlovy.
Bundesräte als Gratulanten
Unter die Gratulanten reihte sich auch die Schweizer Polit-Prominenz. Bundesrat Hans-Rudolf Merz, in den Achtzigerjahren als Präsident des SC Herisau mit dem Hockey-Sport verbunden, freute sich ebenso über den spektakulären Auftakt wie der Sportminister Ueli Maurer. Die beiden Magistraten figurieren regelmässig auf der illustren Spengler-Cup-Gästeliste.
Der Einfluss der HCD-Verstärkungen
Der Bündner Wunschstart wurde im Wesentlichen von den ausländischen Leihspielern inszeniert. Den 3:2-Erfolg gegen Dynamo Minsk stellte SCL-Verteidiger Nick Naumenko mit einem wunderbaren Slapshot ins Lattenkreuz 142 Sekunden vor Schluss sicher. Beim 5:3 tags darauf trumpfte der Servettien Juraj Kolnik als dreifacher Skorer im grossen Stil auf.
Derweil der bullige US-Professional Naumenko in der Bündner Festwoche schon fast den Status eines Stammgasts geniesst (4. Teilnahme mit dem HCD), verstärkt Kolnik den Rekordmeister erst im zweiten Winter. Beide empfinden die Einladung als Ehre; entsprechend konzentriert und ohne jegliche Zurückhaltung empfahl sich das Duo für weitere Aufgebote.
Kolnik überragend
Kolnik avancierte im persönlichen "Derby" mit den Tschechen zur Schlüsselfigur. Kurz vor der ersten Pause korrigierte er Berras Missgriff (beim 0:1) mit dem 1:1. In der 28. Minute schloss er einen von Reto von Arx magistral ausgelösten Konter mit einer Finte technisch perfekt ab. Und als Karlovy den Rückstand abermals auf ein Tor reduzierte (52./Kristek), fälschte Kolnik den Puck unhaltbar zum entscheidenden 5:3 (58.) ab.
"Drei Tore gegen eine tschechische Mannschaft sind für mich als Slowake schon speziell", mass der "Genfer" seiner Triplette einige Bedeutung zu. Dem HCD kam sie ohnehin zupass, weil nicht alle brillierten. Keeper und Rückkehrer Berra, im NLA-Alltag mittlerweile in Biel beschäftigt, sah beim 0:1 und 3:4 eher unvorteilhaft aus.
Kuriose Tore gegen Dynamo
Obschon die "Dynamos" bereits am 25. Dezember in ihrer Davoser Unterkunft eingecheckt waren, debütierten sie beim Spengler-Cup "verspätet" -- oder wirkten zumindest in der Startphase gedanklich abwesend. Anders ist es kaum zu erklären, dass Reto von Arx dem HCD nach rekordverdächtigen acht (!) Sekunden mit einem harmlosen Flachschuss den ersten Vorteil verschaffen konnte.
Auf abermals glückhafte Art und Weise kam Reto von Arx zum zweiten Skorerpunkt. Antonow, einer von zahlreichen Nationalspielern, lenkte den Querpass des HCD-Centers ins eigene Tor ab. Im Normalfall muss der Star der Bündner für eine "Doublette" wesentlich mehr Aufwand betreiben.
"Ich bin jetzt einfach froh, dass wir die Russen gleich schlagen konnten. Die Umstellung auf den Spengler-Cup-Rhythmus ist nicht immer einfach. Und Minsk ist sicher keine schlechte Mannschaft", erklärte "RvA". "Ich habe aber gehört, dass bei Dynamo einige geschont wurden." In der Tat: Hyvönen, Platt und Ex-Lugano-Star Peltonen, die drei wertvollsten Skorer der KHL-Equipe, sassen am ersten Tag nur auf der Tribüne.
Team Canada: Spätschicht und "Family-Day"
Meistercoachs pflegen zu sagen, dass die Offensive Spiele gewinne und die Defensive die Meisterschaft. Beim Spengler-Cup zählt oft nur die Momentaufnahme -- und das Spektakel. Entsprechend verhielten sich die Teams von Canada und Karlovy. Im torreichsten Spiel seit 2005 (Eisbären - HCD 8:5) wirkten vor allem die Keeper (beidseits) wie Fremdkörper und leisteten sich diverse Fehlgriffe.
Die nordamerikanische NLA-Auswahl verspielte dreimal eine Führung. Roche (3:2), Murphy (4:3) und Daigle (6:5) hatten dem Team des derzeit arbeitslosen NHL-Coachs Craig Mac Tavish zu einem temporären Vorsprung verholfen. Der tschechische Champion, auf heimischer Bühne seit Monaten im hinteren Bereich der Tabelle klassiert, demonstrierte aber Nehmerqualitäten.
Aubin macht die Differenz
In der 53. Minute sorgte Jan Kostal mit dem 6:6 erneut für ausgeglichene Verhältnisse im Rink. Damit ebnete er den Weg zum ersten Penaltyschiessen des Turniers. Fünf Akteure scheiterten, nur der kanadische Captain Serge Aubin (Fribourg) traf mit einem präzisen Schlenzer unter die Latte.
Am Tag danach erholten sich die "Canucks" beim traditionellen "Family-Day" auf der offenen Davoser Eisfläche von der Spätschicht. Sean Simpson und Co. standen den kanadischen Anhängern in entspannter Atmosphäre für jegliche Foto-Wünsche zur Verfügung, derweil sich der Nachwuchs im Canada-Shirt auf dem Natureis vergnügte.
Von Sven Schoch (Si)