26.12.2009
Spektakel pur am Eröffnungstag!

Die Davoser Fans hatten Grund zum Jubeln
Nick Naumenko ermöglichte dem HCD beim 83. Spengler-Cup den perfekten Start. Der US-Verteidiger stellte gegen Dynamo Minsk 142 Sekunden vor Schluss mit einem Slapshot ins Lattenkreuz den 3:2-Sieg sicher.
Der elffache Turniersieger Team Canada beanspruchte beim 7:6 gegen Karlovy Vary das Penaltyschiessen (1:0/Aubin). Der tschechische Titelhalter trifft heute Sonntag auf den topklassierten Gastgeber Davos; die Kanadier pausieren. Bereits am ersten Tag vermeldeten die Veranstalter zweimal "guichets fermés" -- 13 492 Zuschauer strömten in die schmucke Halle.
Bundesräte als Gratulanten
Zum vierten Mal bereits verstärkt der SCL-Professional Naumenko in der Bündner Festwoche den Rekordmeister. "Es ist mir immer wieder eine Ehre, wenn ich eingeladen werde", lächelte der bullige Verteidiger wenige Minuten nach seinem wunderbaren Powerplay-Abschluss.
Unter die Gratulanten reihte sich auch die Schweizer Polit-Prominenz. Bundesrat Hans-Rudolf Merz, in den Achtzigerjahren als Präsident des SC Herisau mit dem Hockey-Sport verbunden, freute sich ebenso über den spektakulären Abschluss wie der Sportminister Ueli Maurer. Die beiden Magistraten figurieren regelmässig auf der illustren Spengler-Cup-Gästeliste.
Team Canada
Meistercoachs pflegen zu sagen, dass die Offensive Spiele gewinne und die Defensive die Meisterschaft. Beim Spengler-Cup zählt oft nur die Momentaufnahme -- und das Spektakel. Entsprechend verhielten sich die Teams von Canada und Karlovy. Im torreichsten Spiel seit 2005 (Eisbären - HCD 8:5) wirkten vor allem die Keeper (beidseits) wie Fremdkörper und leisteten sich diverse Fehlgriffe.
Die nordamerikanische NLA-Auswahl verspielte dreimal eine Führung. Roche (3:2), Murphy (4:3) und Daigle (6:5) hatten dem Team des derzeit arbeitslosen NHL-Coachs Craig Mac Tavish zu einem temporären Vorsprung verholfen. Der tschechische Champion, auf heimischer Bühne seit Monaten im hinteren Bereich der Tabelle klassiert, demonstrierte aber Nehmerqualitäten.
In der 53. Minute sorgte Jan Kostal mit dem 6:6 erneut für ausgeglichene Verhältnisse im Rink. Damit ebnete er den Weg zum ersten Penaltyschiessen des Turniers. Fünf Akteure scheiterten, nur der kanadische Captain Serge Aubin (Fribourg) traf mit einem präzisen Schlenzer unter die Latte.
Kuriose Davoser-Treffer
Obschon die "Dynamos" bereits am 25. Dezember in ihrer Davoser Unterkunft eingecheckt waren, debütierten sie beim Spengler-Cup "verspätet" -- oder wirkten zumindest in der Startphase gedanklich abwesend. Anders ist es kaum zu erklären, dass Reto von Arx dem HCD nach rekordverdächtigen acht (!) Sekunden mit einem harmlosen Flachschuss den ersten Vorteil verschaffen konnte.
Vom frühen 0:1 liess sich die routinierte Minsker Auswahl -- sieben Spieler stehen im Olympia-Kader Weissrusslands -- indes wenig beeindrucken. Beim ersten Powerplay der Bündner setzte der KHL-Klub zum Konter an und glich nach einer herrlichen Kombination durch Sergej Warlamow aus.
Starke Weissrussen
In der 25. Minute demonstrierte Mikko Jokela, wieviel Qualität in der osteuropäischen Equipe steckt. Der finnische Verteidiger umkurvte die gesamte HCD-Defensiv und düpierte am Ende seines Solos auch noch den Davoser Keeper Genoni aus spitzem Winkel.
Auf abermals glückhafte Art und Weise kam Reto von Arx zum zweiten Skorerpunkt. Antonow, einer von zahlreichen Nationalspielern, lenkte den Querpass des HCD-Centers ins eigene Tor ab. Im Normalfall muss der Star der Bündner für eine "Doublette" wesentlich mehr Aufwand betreiben.
Stars auf der Tribüne
"Ich bin jetzt einfach froh, dass wir die Russen gleich schlagen konnten. Die Umstellung auf den Spengler-Cup-Rhythmus ist nicht immer einfach. Und Minsk ist sicher keine schlechte Mannschaft", erklärte "RvA". "Ich habe aber gehört, dass bei Dynamo einige geschont wurden." In der Tat: Hyvönen, Platt und Ex-Lugano-Star Peltonen, die drei wertvollsten Skorer, sassen auf der Tribüne.
Von Sven Schoch