23.12.2009
Teamcheck: Gewinnt der Publikumsliebling erneut?
Das Team Canada ist die erfolgreichste Spengler-Cup-Mannschaft der letzten Jahre - die aus in Europa spielenden Kanadiern zusammengesetzte Mannschaft dominiert das Turnier seit Jahren und strebt 2009 den zwölften Titelgewinn an.
25-jähriges Jubiläum
1984 hat das Team Canada zum ersten Mal am Spengler Cup teilgenommen - damals noch unter ganz anderen Vorzeichen: Nachdem zwischen 1965 und 1983 ausschliesslich Mannschaften aus der Tschechoslowakei und der Sowjetunion das Turnier gewannen, sollte eine aus kanadischen Hockeystars zusammengestellte Equipe das Ungleichgewicht zugunsten des «Westens» etwas ausgleichen. Das Konzept ging auf: Bereits an der ersten Teilnahme konnten die Kanadier das Turnier mit einem 4:3-Sieg gegen das russische Chimik Woskresensk gewinnen.
Erfolgreichstes Team
Seither ist das Team Canada nicht mehr vom Spengler Cup wegzudenken. An keiner Auflage haben die Kanadier gefehlt. Sie sind die erfolgreichste Mannschaft der letzten 25 Jahre: Seit 1986 zum ersten Mal ein Finale ausgetragen wurde, konnte sich das Team Canada für 17 von 23 Finals qualifizieren.
Team Canada holt rasant auf
Elf Turniersiege konnte man bisher verbuchen - nur drei weniger als der Rekordsieger und Gastgeber HC Davos. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die Kanadier zu ihm aufschliessen. Natürlich zählt auch dieses Jahr allein der Sieg: „Wie in jedem Turnier, an dem wir teilnehmen, wollen wir gewinnen. Wenn wir dieses Ziel nicht haben, haben wir schon verloren. Dies ist die kanadische Art", erklärt Johnny Misley, der als Vizepräsident des kanadischen Eishockeyverbands für das Team Canada zuständig ist.
Nachdem durch die politische Öffnung ab 1989 viele Osteuropäer in die NHL abgewandert sind, ist der Ausgleich des damaligen Ungleichgewichts nicht mehr nötig. Das Team Canada tritt auch nicht mehr mit den grössten Stars des Landes an, sondern mit einer eigens für den Spengler Cup zusammengestellten Auswahl von in der Schweiz und ihren Nachbarländern spielenden Kanadiern.
Ungebrochene Popularität
Ungebrochen ist aber die Popularität des Dauergasts, gerade auch in Übersee: In Kanada werden die Partien mit grossem Interesse im Fernsehen verfolgt und finden sogar mehr Beachtung als in Europa. Der Spengler Cup gilt in Kanada als eines der wichtigsten internationalen Eishockeyturniere und war bereits für viele Spieler ein Sprungbrett in die NHL - unter anderem für Fred Brathwaite, der nach seinem Spengler Cup-Sieg bei den Calgary Flames für Furore sorgte und heute, elf Jahre später, mit den Mannheimer Adlern an den Ausgangspunkt seiner erfolgreichen Karriere zurückkehrt.
Viele Stolpersteine auf dem Weg zum Titel
Mit den Adlern nehmen dieses Jahr einige weitere starke Kanadier teil - zum Nachteil des Team Canada. Johnny Misley stellt fest: «Bei Mannheim spielen einige unserer Nationalspieler, die wir deshalb nicht für den Spengler Cup ins Team Canada aufnehmen können. Diese Mannschaft sieht wie ein Team Canada 2 aus!»
Auch gegen andere Spengler-Cup-Gegner sieht er für seine Mannschaft kein leichtes Spiel: «Davos hat Heimvorteil, Del Curto wird die Bündner wieder heiss machen. Und Karlovy Vary hat Grösse, Geschwindigkeit und Erfahrung - jede Mannschaft kann dieses Turnier gewinnen.»
Andy Murray - die Legende
Als Trainer der kanadischen Spengler-Cup-Auswahl fungieren immer wieder nordamerikanische Koryphäen. In diesem Jahr wird das Team von Craig MacTavish geführt. Assistiert wird er von den in der Schweiz arbeitenden Sean Simpson (ZSC) und Doug Shedden (Zug).
Besonders bemerkenswert ist die Ära von Andy Murray, der bei all seinen sechs Teilnahmen das Team Canada zum Sieg führte. 2007 gewann er als Coach der kanadischen Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft in Russland. Sean Simpson, der das Team bereits im vergangenen Jahr betreut hat, konnte kurz darauf mit den ZSC Lions den Pokal der Champions League erringen.
Viel Lob aus dem Mutterland des Eishockeys
Lorbeeren für den Veranstalter Bis 2012 läuft der Vertrag des Spengler Cups mit dem Team Canada noch - und vieles spricht dafür, dass die beliebten Kanadier dem Turnier auch darüber hinaus erhalten bleiben. Denn beim kanadischen Verband ist man voll des Lobes. Johnny Misley schwärmt: «Der Spengler Cup ist ein Anlass, der jeder Sportler in seiner Karriere einmal erlebt haben sollte. Fredi Pargätzi und sein Team machen in der Fortsetzung der Tradition dieses Turniers eine hervorragende Arbeit und auch den Vereinen der Schweizer Liga sollte applaudiert werden dafür, dass sie den Spielbetrieb für diesen historischen Anlass unterbrechen.»
Prognose: Platz 2
Auch wenn die Kanadier nicht eingespielt sind, mit ihrer individuellen Klasse machen sie das mehr als wett. Sie werden am Anfang Abstimmungsprobleme haben und haben deswegen Glück, das Turnier gegen die vermeintlich schwächste Mannschaft des Turniers - Karlovy Vary - beginnen zu können. Sind die Ahornblätter erst einmal im Turnier drinn, sind sie nur schwer zu schlagen. Ihr Manko ist, dass sie auf der Torhüterposition nicht so stark besetzt sind, wie die Hauptkonkurrenten Minsk und Davos, trotzdem sollte es für eine erneute Finalqualifikation reichen.
Hinweis: Beim Spengler Cup wird die sport.ch-Redaktion vor Ort berichten: Interviews, Storys, Vorschauen, ''Three Stars'', Analysen und Video-Interviews mit Spielern und Promis. Dazu bieten wir natürlich wie immer jedes Spiel live im kommentierten Ticker an.