30.12.2008
Entwickelt der HCD ein Deutschland-Trauma?

Petr Taticek war Davos' bester Spieler und zweifacher Torschütze
Letztes Jahr verlor der HC Davos gegen Adler Mannheim, nun setzte es nach der schwächtsen Turnierleistung auch gegen Ingolstadt eine Niederlage ab. Die Deutschen kamen im letzten Gruppenspiel dank einem formidablen zweiten Drittel zur Siegpremiere. 3:4 lautete das Endresultat.
Ausgeschieden waren die Davoser bereits nach der Moskauer Arbeitsverweigerung am Nachmittag. Die nächste Enttäuschung folgte nun zum Abschluss der Vorrunde.
Als die Gastgeber am Nachmittag hilflos mitansehen mussten, wie Moskau ohne jegliche Dynamik dem Team Canada zur Finalqualifikation verhalf, hielt sich ihre Motivation für den belanglosen Abschluss der Vorrunde in engen Grenzen. Während zwei Dritteln mochten sie keinen sinnvollen Beitrag zur Unterhaltung der zahlenden Kundschaft leisten.
Die Doublette von Petr Taticek (42./52.) vergrösserte den Spannungsgehalt dann aber im Sinne der 6746 Zuschauer markant. Ingolstadt geriet unter Dauerbeschuss. Mit unnötiger Verspätung forcierten die Bündner das Tempo, womit sie das limitierte Team aus Bayern an die Grenzen der Belastbarkeit führten. Mit Glück und dank Keeper Sebastian Vogel verabschiedete sich der ERC mit einer Ehrenmeldung aus Davos.
Umschwung nach dem 1:0
Der gute Start der Bündner deutete zunächst auf einen angenehmeren Abend hin. Andres Ambühl, der erfolgreichste Torschütze des 82. Spengler Cups, markierte in der 6. Minute seinen fünften Treffer. Offenbar nahmen die bis anhin punktelosen Deutschen die Aufgabe ab jenem Zeitpunkt aber wesentlich ernster als der HCD. Dem raschen Ausgleich folgte zu Beginn des Mitteldrittels der Umschwung.
Obschon das Heimteam mehrheitlich enttäuschte, spielte ein Schweizer (auf der falschen Seite) eine ausgezeichnete Rolle: Langnaus Leihgabe Daniel Steiner bereitete das 2:1 Setzingers vor. Sekunden vor der zweiten Pause erhöhte der Berner nach einem smarten Pass von Romano Lemm auf 4:1. Damit hatten sich die Vorteile endgültig zu Gunsten des vermeintlichen Sparring-Partners verschoben.
Erst im letzten Drittel -- vermutlich nach einer kernigen Ansprache von Coach Arno Del Curto und nach der Einwechslung von Stammkeeper Genoni -- betrieben die Einheimischen wieder einen seriöseren Aufwand. Mehr als die Entschärfung des blamablen Zwischenstands lag trotz höherem Rhythmus nicht mehr drin.
Der Ärger der HCD-Fans
Für die einzigen Emotionen sorgte ein Nebendarsteller im Pausenspiel. Als sich der von Sponsoren mit einem HCD-Shirt gekleidete Herr mitten auf der Eisfläche via Mikrofon als ZSC-Fan outete, reagierte das Volk mit gellenden Pfiffen. In der von Beat Forster ausgelösten Fehde zwischen den beiden Klubs versteht auch der Anhänger auf der Stehrampe keinen Spass mehr. Der Verschmähte nahms gelassen und spendete das gewonnene Gold der HCD-Juniorenabteilung.
Von Sven Schoch (Si)
Davos - Ingolstadt 3:4 (1:1, 0:3, 2:0)
Vaillant Arena. -- 6746 Zuschauer (ausverkauft). -- SR Johansson/Zalaski (Sd/Ka), Fluri/Kohler (Sz). -- Tore: 6. Ambühl (Guggisberg) 1:0. 9. Greilinger (Milroy) 1:1. 22. Setzinger (Steiner) 1:2. 28. Ast (Milroy) 1:3. 40. Steiner (Lemm, Hinterstocker) 1:4. 42. Taticek (Marc Wieser) 2:4. 52. Taticek (Ambühl, Furrer) 3:4. -- Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Davos, 4mal 2 Minuten gegen Ingolstadt.
Davos: Berra (41. Genoni); Naumenko, Niinimaa; Gianola, Grossmann; Gerber, Blatter; Furrer; Salmelainen, Pohl, Sonnenberg; Riesen, Marha, Sykora; Ambühl, Rizzi, Guggisberg; Marc Wieser, Taticek, Dino Wieser; Bürgler.
Ingolstadt: Vogl; Daschner, Muir; Kobach, Hinterstocker; Rourke, Martinovic; Greilinger, Ast, Milroy; Steiner, Lemm, Setzinger; Nickulas, Sarault, Keith; Roethke, Brandl, Boucher.
Bemerkungen: Davos ohne Helfenstein, Della Rossa (beide verletzt), Müller, Stoop, Leblanc, (alle nicht gemeldet), Forster (nicht spielberechtigt), Daigle, Jan von Arx und Reto von Arx (alle überzählig). -- Pfosten-/Lattenschüsse: 25. Sarault. -- Timeouts: 6. Ingolstadt. -- Davos ab 59:02 ohne Goalie.