29.12.2007
Perezhogin: «Wir könnten auch in der NHL mithalten»

Perezhogin:
Der HC Salavat Yulaev ist im bisherigen Verlauf des Spengler Cups mit seiner spektakulären Spielweise den hohen Erwartungen gerecht geworden. Auch nach der 2:3-Niederlage gegen das Team Canada können sich die Russen noch aus eigener Kraft für den Final qualifizieren.
Aus dem fernen Ufa, am westlichen Auslauf des Urals, hat sich der HC Salavat Yulaev aufgemacht, den Spengler Cup zu erobern. Was die Russen bei ihren ersten beiden Turnierauftritten zeigten, überzeugte eindrücklich. Am Donnerstag überrollten sie den HC Moeller Pardubice beim 5:0 mit vier Toren in den letzten 26 Minuten, und auch der deutsche Meister Adler Mannheim war beim 1:6 am Freitag chancenlos. «Wir sind glücklich am Spengler Cup zu sein. Wir wissen um die Bedeutung, welche die Siegertrophäe im Eishockey hat», sagt Ufas Stürmer Alexander Perezhogin, der den letzten russischen Turniersieg von Metallurg Magnitogorsk vor zwei Jahren im kanadischen Fernsehen verfolgte. Die Russen fühlen sich wohl in Davos. Auch die tiefen Aussentemperaturen können ihnen nichts anhaben. Schliesslich ist es in den Wintermonaten in Ufa noch kälter.
In ihren bisherigen Auftritten zeigten die Russen die Qualitäten, die sie auch in der heimischen Superliga auszeichnen, wo sie seit Saisonbeginn und mittlerweile mit grossem Vorsprung führen. Das Team aus der Republik Baschkortostan ist nicht abhängig von einzelnen Spielern, obwohl es läuferisch wie technisch alles herausragende Könner in seinen Reihen hat. Der grosse Trumpf ist die Ausgeglichenheit mit einer überdurchschnittlichen Besetzung auf allen Positionen. Wie zu Zeiten des Kommunismus steht das Kollektiv über dem Einzelnen. Sie hätten keine Toplinie, sondern vier oder sogar fünf starke Formationen, sagt Perezhogin. Er selbst ist in der Meisterschaft der zweiterfolgreichste Punktesammler seines Teams, in der Liga aber nur auf Position 13, obwohl die Baschkirer mit Abstand am meisten Tore erzielen. Auch am Spengler Cup haben sich schon zehn verschiedene Spieler Ufas in die Torschützenliste eingetragen, darunter fünf Verteidiger.
Der HC Salavat Yulaev stellt das derzeit beste Team ausserhalb der NHL. Ob die Russen auch in der besten Liga der Welt mit Erfolg mithalten könnten, ist zwar hypothetisch, doch Perezhogin meint: «Ich denke schon das wir das könnten, auch wenn das Niveau in der NHL höher ist als in Russland und in der NHL viel physischer gespielt wird.» Dass ihnen mit hartem Körpereinsatz der Schneid abzukaufen ist, mussten die Baschkirer am Spengler Cup bei der 2:3-Niederlage gegen das Team Canada aufzeigen lassen. Dennoch hat vom russischen Leader fast jeder das Potential für die beste Eishockeyliga. Einige haben auch schon erfolgreich dort gespielt. Perezhogin ist einer von ihnen. Mit 24 Jahren hat der Erstrunden-Draft von 2001 schon 134 NHL-Spiele auf dem Buckel. In den letzten zwei Jahren war er Stammspieler bei den Montreal Canadiens und dort Teamkollege der Schweizer Mark Streit und David Aebischer.
Trotz einer ansprechenden letzten Saison, wo er in 61 Spielen 15 Punkte sammelte und die Plus-/Minusstatistik der Canadiens anführte, verliess er die NHL um für Ufa zu stürmen. «Ich machte einen Schritt zurück, um später zwei vorwärts zu machen», erklärt Perezhogin seine Absicht, einst wieder in die NHL zurückzukehren. Die Aussage des gebürtigen Kasachen, der aber für die russische Nationalmannschaft stürmt, dürfte nur die halbe Wahrheit sein. Es wird gemunkelt, dass Perezhogin in Ufa schon ohne Prämien rund zwei Millionen US-Dollar verdient, was mehr das Dreifache seines letztjährigen NHL-Salärs wäre.
Perezhogins Lohnexplosion ist Ausdruck für die finanzielle Potenz des HC Salavat Yulaev. Bei ihm fliesst das Geld genau so üppig wie das Erdöl in Baschkortostan. Beides ist eng miteinander verknüpft, denn das Eishockeyteam in Ufa wird von der baschkirischen Regierung unterstützt. Und weil in Russland mehr denn sonst wo im Eishockey ohne ausreichend Geld keine Titel zu holen sind, hat Salavat Yulaev vor dieser Saison kräftigst aufgerüstet. Ein Kader, der auch als russisches All-Star-Team durchgehen könnte, soll endlich für den ersten Meisterschaftsgewinn sorgen. Diesem rennt Ufa seit dem Aufstieg in die Superliga 1992 hinterher.
Bernhard Camenisch