27.12.2007
Doug Gilmours Rückkehr in die Schweiz

Doug Gilmour
Er hat von allen fünf teilnehmenden Teams am 81. Spengler Cups den grössten Namen, obwohl er gar nicht spielt. Gemeint ist Doug Gilmour, NHL-Legende und in Davos Assistenztrainer beim Team Canada.
«Ich bin überall. Vorne, hinten, überall», sagt Doug Gilmour angesprochen auf seine Funktion beim Team Canada und lacht dabei. Dann präzisiert er, dass Headcoach Sean Simpson für die Sturmlinien zuständig sei, der zweite Assistent Jim Koleff für die Verteidigung und er selbst bei allen Mannschaftsteilen ein wenig nach dem Rechten sehe. Am Spengler Cup ist Gilmour erstmals als Trainer von Profispielern im Einsatz. Seine bisherigen Erfahrungen in diesem Bereich beschränkten sich auf das Coachen von Kindern.
Für Gilmour ist der Spengler Cup nach 13 Jahren die Rückkehr in die Schweiz. In der Saison 1994-95 spielte der 44-jährige Kanadier während des damaligen NHL-Lockouts neun Partien für den SC Rapperswil-Jona in der obersten Schweizer Spielklasse. Gleich sein erstes Spiel war eines, das er nie mehr vergessen wird. Rapperswil führte in der letzten Minute mit 6:3 und kassierte noch drei Tore zum Ausgleich. Der Gegner war der EV Zug, der gecoacht wurde von - Jim Koleff und Sean Simpson... Auch wenn ihm eine solche Schlussminute in seiner weiteren Karriere nie mehr widerfahren sei, habe er deswegen nicht einen schlechten Eindruck über das Schweizer Eishockey gewonnen, sagt Gilmour. «So etwas kann immer passieren, auch in der NHL».
Sechs Wochen zauberte Gilmour am Zürichsee für Rapperswil und war zu diesem Zeitpunkt einer der besten Spieler, der je für ein Schweizer Team aufgelaufen war. «Als NHL-Spieler war der Lockout frustrierend. Doch ich verbrachte in der Schweiz sechs grossartige Wochen und habe noch jede Menge gute Erinnerungen daran», blickt Gilmour zurück. Am diesjährigen Spengler Cup hat der Kanadier einen alten bekannten aus gemeinsamen Rapperswiler Tagen getroffen: Andy Hüppi war damals Masseur beim SCRJ und ist es heute noch. Seit einigen Jahren massiert er am Spengler Cup und an A-Weltmeisterschaften auch die Beine der Kanadier.
Im Vergleich zu seinen 19 Jahren, die Gilmour in der NHL spielte, sind die sechs Wochen in der Schweiz nur eine Randnotiz. Für St. Louis, Calgary, Toronto, New Jersey, Chicago, Buffalo und Montreal absolvierte er in der weltbesten Eishockeyliga 1474 Qualifikation- und 182 Playoff-Partien und erzielte dabei beeindruckende 510 Tore und 1092 Assists. Die Aufnahme in die Hockey Hall of Fame dürfte ihm damit gewiss sein. Als seine schönste Erinnerung bezeichnet der Ausnahmestürmer den Gewinn des Stanley Cups mit den Calgary Flames 1989. Im sechsten Spiel der Finalserie gegen Montreal erzielte er den entscheidenden Treffer, der den Titel brachte.
In seiner langen Laufbahn trug Gilmour das Trikot von drei verschiedenen kanadischen NHL-Mannschaften. «Ich hatte dabei kein Lieblingsteam. Ich genoss es, für alle drei zu spielen, sammelte überall wertvolle Erfahrungen und erlebte viel Aufregendes», sagt der Kanadier. Seine Familie komme zwar aus Kingston in der Nähe von Toronto, doch schon als Kind sei er nicht Fan einer Mannschaft sondern nur von einzelnen Spielern gewesen. Einer von ihnen war Darryl Sittler, mit dem Gilmours Bruder zusammen bei den Junioren spielte. Gilmour war auch immer ein Bewunderer von Don Cherry, dem charismatischen ehemaligen Coach der Boston Bruins und jetzigen Kommentator im kanadischen Fernsehen, oder vom Stürmer Wayne Cashman, die beide wie er aus Kingston stammen.
In welche Richtung Gilmours Laufbahn nach der Spielerkarriere noch laufen soll, weiss er selbst noch nicht. Derzeit ist er im Management der Toronto Maple Leafs für das Scouting zuständig. Dadurch kommt er in ganz Nordamerika herum, hat aber auch schon Talente in Russland und Schweden beobachtet und verfolgt in diesen Ländern regelmässig die Entwicklung der bereits gedrafteten Spieler der Maple Leafs.
Bernhard Camenisch