Recap 2018: Als die Finnen endlich triumphierten

29.10.2026, 10:00

Recap 2018: Als die Finnen endlich triumphierten

Finnland gehört zu den erfolgreichsten Eishockeynationen der Welt. Als Mitglied der «Big Six» hat sich das Land längst an der Weltspitze etabliert.
Der jüngste Aufstieg begann in den 1990er Jahren und führte die „Leijonat“ (die Löwen) in den letzten Jahren zu einer der dominantesten Mannschaften auf internationalem Eis. Es ist deshalb kaum zu glauben, dass erst einmal ein finnisches Team den Spengler Cup gewinnen konnte.

Bei den Olympischen Winterspielen in Calgary gewann Finnland mit Silber im Jahre 1988 seine allererste Medaille bei einem großen Senioren-Turnier. Das erste WM-Gold holten die Finnen 1995 im Finale gegen den Erzrivalen Schweden in Stockholm. 2022 feierten sie unter Erfolgscoach Jukka Jalonen das historische Double. Erst gewannen die Löwen in Peking ihr erstes olympisches Gold und holten nur wenige Monate später auch das Heim-WM-Gold in Tampere. Auch 2026 setzte Finnland mit dem fünften WM-Titel bei der Weltmeisterschaft in Zürich in der Verlängerung gegen die Schweiz ein weiteres Ausrufezeichen. Kurz zuvor holte das Team bei den Olympischen Spielen 2026 in Mailand-Cortina bereits Bronze.
Doch bisher nur einmal sicherte sich eine finnische Mannschaft den Titel am ältesten Club-Eishockeyturnier. Und dies obwohl Teams aus der Liiga und auch die finnische Nationalauswahl sehr oft am Turnier teilnahmen. Seit Einführung des Finalspiels am Schlusstag im Jahr 1986 hatte bis 2018 auch noch nie eine finnische Mannschaft am 31. Dezember auf dem Eis gestanden.

Dann kam KalPa Kuopio. Unter der Leitung des ehemaligen NHL-Stars und Klub-Mitbesitzers Sami Kapanen schrieb der Aussenseiter am Spengler Cup 2018 Geschichte. Im Final trafen die Finnen auf das favorisierte Team Canada, das zuvor 15 seiner letzten 16 Turnierspiele gewonnen hatte. Doch KalPa liess sich davon nicht beeindrucken. Mit physischer Präsenz, konsequenter Defensivarbeit und kernigen Checks nahm die Mannschaft den Kanadiern den Raum und den Rhythmus. Besonders Goalie Denis Godla erwies sich mit einer Fangquote von 97,5 Prozent als kaum zu überwindendes Hindernis.
Nachdem Daniel Winnik im 3. Drittel die bis dahin im Abschluss glücklosen Kanadier mit einem Nachschuss doch noch in Führung brachte, schien sich die Favoritenrolle zu bestätigen. Doch KalPa reagierte prompt: Eetu Luostarinen erzielte in der 52. Minute den Ausgleich zum 1:1. Auch in der Verlängerung fiel kein Tor. So musste das Penaltyschiessen entscheiden – und entwickelte sich zu einem Krimi, der in Erinnerung blieb. Erst beim 15. Versuch erlöste Jaakko Rissanen die Finnen mit dem entscheidenden Treffer. KalPa Kuopio hatte das scheinbar Unmögliche geschafft und als erstes finnisches Team den Spengler Cup gewonnen.

Für Sami Kapanen war dieser Triumph weit mehr als ein sportlicher Erfolg. Bereits 1994 hatte er als 21-jähriger Nachwuchsstürmer von IFK Helsinki erstmals Davoser Höhenluft geschnuppert. Damals ahnte er nicht, dass er 24 Jahre später als Trainer nach Davos zurückkehren und Geschichte schreiben würde. «Wenn ich heute auf den Spengler Cup angesprochen werde, dann habe ich sogleich die Ankunft in Davos vor Augen. Die Schönheit der Stadt und des Eisstadions, das für mich so etwas wie eine Eishockey-Kirche ist. Die Atmosphäre ist fantastisch und die Schönheit von Davos herrlich. Ich liebe und schätze die Geschichte dieses Turniers», erinnert sich Kapanen.
Zu diesem Zeitpunkt war der Finne längst eine Legende seines Sports. Als Spieler hatte er mit der Nationalmannschaft den Weltmeistertitel gewonnen, mehrere Silber- und Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften sowie zwei olympische Bronzemedaillen geholt. Zudem bestritt er zwölf Jahre in der NHL und wurde 2015 in die Finnish Hockey Hall of Fame aufgenommen. Der Triumph mit KalPa blieb allerdings bis heute sein einziger grosser Titel als Trainer.
Der Erfolg in Davos öffnete Kapanen auch beruflich neue Türen. Im Anschluss übernahm er den Posten als Headcoach beim HC Lugano. Sein Engagement im Tessin endete jedoch bereits nach knapp acht Monaten im Dezember 2019. Im darauffolgenden Jahr trennte er sich von seinen Anteilen an KalPa Kuopio. Dem Eishockey blieb der inzwischen 53-Jährige jedoch treu: Heute steht er in der finnischen Liiga bei den Lahti Pelicans an der Bande.

Der Spengler Cup-Triumph von 2018 bleibt jedoch ein besonderer Meilenstein – für KalPa Kuopio, für Sami Kapanen und für das finnische Klub-Eishockey. Nach Jahrzehnten des Wartens hatten die Finnen endlich auch in Davos triumphiert.

Text: Spengler Cup Onlineredaktion - mit Auszügen aus dem diesjährigen Turnier-Jahrbuch, dass Ende November erscheint    Foto: Keystone

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